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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Über  das  Gefrieren  des  Wassers  im  luftverdünnten  Raume.  335

Berücksichtigung  fand  und  wie  es  scheint,  fast  in  Vergessenheit
gerieth,  wenigstens  findet  man  in  den  Lehr-  und  Handbüchern  nur
weit  weniger  stringente  Beweise  für  die  Verdunstung  des  Eises,
und  von  den  hierauf  einen  Einfluss  übenden  Umständen  ist  gar  keine
Rede  !).  Confiliachi  stellte  seine  Versuche  meistens  mit  porösen,
die  Kugel  des  Thermometers  umhüllenden  Körpern  an,  er  konnte
daher  manche  Erscheinungen,  welche  die  Verdunstung  des  Eises
begleiten,  nicht  beobachten  und  richtete  also  seine  Aufmerksamkeit
auch  nicht  nach  dieser  Seite.
Es  wurde  bereits  oben  erwähnt,  dass  beim  Gefrieren  des  unter
0°  erkalteten  Wassers  die  Temperatur  rasch  bis  0°  steigt.  Hier  stellt
sie  einige  Minuten  unverändert  still,  dann  aber  fängt  sie  wieder  an  zu
sinken,  und  zwar  anfangs  rasch,  dann  langsamer.  Bei  dem  Versuche
(8),  wo  die  Luft  bis  auf  9  Mm.  ausgepumpt  wurde,  und  das  Wasser
sich  in  einer  flachen  gläsernen  Schale  befand,  sank  die  Temperatur
in  7  Stunden  bis  —15°.  Hier  bleibt  sie  unverändert  stehen,  das  Volumen ­
  des  Eises  vermindert  sich  aber  sehr  merklich,  indem  es  unmittelbar ­
  aus  dem  festen  in  den  gasförmigen  Aggregationszustand
übergeht,  und  dabei  soviel  Wärme  bindet,  dass  dadurch  die  lange
dauernde  Erhaltung  einer  so  niedrigen  Temperatur  genügend  erklärt
wird.  Man  kann  annehmen,  dass  unter  den  gegebenen  Umständen
3  Grammen  Eis  in  einer  Stunde  verdunsten.
Es  wurde  nun,  wie  bereits  Confiliachi  tliat,  die  Kugel  des
Thermometers  mit  Schwamm  umwickelt  und  dieser  mit  Wasser  von
16°  getränkt  (10).  Die  Temperatur  des  Zimmers  erhielt  sich  während ­
  der  Dauer  des  Versuches  auf  ungefähr  17°,  und  die  Luft  wurde
bis  auf  3  Mm.  Barometerstand  ausgepumpt.
Nach  1  Stunde  war  die  Temperatur  bis  auf  —22°,  nach
noch  1  „  „  „  „  „  „  —25°  und  nach
weiteren  3  Stunden  42  Min.  „  „  „  -—34°
gesunken,  wo  sie,  bis  fast  alles  Eis  verdunstet  war,  was  mehrere
Stunden  dauerte,  unverändert  stehen  blieb.
Es  waren  also  5y 2  Stunden  nothwendig,  damit  die  Temperatur ­
  um  50°  herabsank,  obwohl  fortwährend  von  aussen  Wärme
)  Selbst  in  dem  so  weitläufigen  Artikel  «Eis”  in  Gehler’s  neu  bearbeitetem
physikalischen  Wörterbuche  Bd.  III,  1837,  sind  die  Versuche  C  onfiliachi’s
nicht  erwähnt.  Eben  so  wenig  ist  diese  Lücke  in  den  später  erschienenen
Werken  dieser  Art  ausgefüllt.
S'ty.b.  d.  mathem-naturw.  CI.  X.  Bd.  IV.  Hft.

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