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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

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Schrotte  r.

Erscheinungen,  welche  vielleicht  einige  Aufmerksamkeit  verdienen.
Es  entsteht  nämlich  zuerst  an  der  Oberfläche,  von  der  die  Abkühlung ­
  ausgeht,  eine  1—2  Mm.  dicke,  aus  verworrenen  Krystallen
bestehende,  daher  trübe  Schichte.  An  diese  reiht  sich  jedoch  eine
zweite  oft  vollkommen  klare  Schichte  von  Eis  an,  deren  Dicke
immer  zunimmt,  bis  sie  endlich  den  Boden  erreicht.  Die  untere
Seite  dieser  Eisschichte  ist  von  einer  spiegelnden  Ebene  so  vollkommen ­
  scharf  begrenzt,  als  wären  zwei  blank  polirte,  ebene
Glasplatten  von  verschiedener  lichtbrechender  Kraft  an  einander  gekittet. ­
  Enthielt  das  Wasser  Luft,  so  ist  die  Schichte  nicht  klar,  sondern ­
  von  kleinen  Blasen  erfüllt,  die  ganz  regelmässig  in  verticalen
Linien  über  einander  liegen.  Ehe  diese  spiegelnde  Eisschichte  den
Boden  des  Gefässes  erreicht  hat,  bilden  sich  zuweilen  in  ihr  hohle,  mit
der  Spitze  nach  abwärts  gekehrte,  gleichkantige  sechsseitige  Pyramiden, ­
  die  sich  sämmtlicli  in  paralleler  Stellung  befinden.  Dieser
Vorgang  ist  mit  den  von  Brewster,  Leydolt  u.  A.  angestellten
Beobachtungen  so  vollkommen  im  Einklang,  dass  kein  Zweifel  mehr
über  die  Anordnung  der  Krystalle  beim  Gefrieren  des  Wassers  obwalten
kann.  Zuweilen  schiessen  aus  der  spiegelnden  Ebene  einzelne  nadelförmige
  Krystalle  nach  abwärts  hervor,  welche  anscheinend  eine  unregelmässige ­
  Lage  haben,  bald  aber  kommen  dann  noch  andere  hinzu,
und  es  zeigt  sich  hei  näherer  Betrachtung,  dass  diese  Krystalle  hur
ergänzende  Theile  der  oben  erwähnten  Pyramiden  sind.  Eine  ruhig
erstarrte  Eismasse  besteht  also  auch  unter  den  hier  statlfindenden
Umständen  aus  Individuen,  die  sich  sämmtlicli  in  paralleler  Stellung
befinden  und  sich  daher  optisch  wie  ein  Individuum  verhalten.  Dies
scheint  von  allen  Körpern  zu  gelten,  die  unter  ähnlichen  Umständen
entstanden  sind  1 ).
Es  war  nun  von  Wichtigkeit  das  Verhalten  des  Eises  in  einer
bis  zu  einem  Druck  von  2—-3  Mm.  verdünnten  Luft  zu  untersuchen.
Schon  Con  fil  i  a  eh  i  hat  nachgewiesen,  dass  durch  die  hierbei  stattfindende ­
  Verdunstung  eine  Kälte  erzeugt  wird,  die  Quecksilber  zum
Gefrieren  bringen,  also  mindestens  —39'44°  erreichen  kann.  Um
so  auflallender  bleibt  es,  dass  auch  diese  schöne  Beobachtung  wenig

r )  Veranlasst  durch  die  oben  erwähnten  Thatsachen  theilte  mir  Herr  Schabus
eine  hieher  gehörende  interessante  Beobachtung  mit,  die  sich  am  Ende
dieses  Aufsatzes  als  Anhang  abgedruckt  findet.
            
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