Revision der bisherigen Analysen einiger Bestandteile der Fette. 495
Um noch mehr Anhaltspunkte über die Zulässigkeit dieser Betrachtungsweise
zu erhalten, unterzog ich die Formeln für die verschiedenen
bisher genauer studirten Verbindungen der Fettsäuren mit
dem Glycyloxyde einer sorgfältigen Prüfung, wobei ich jedoch weiter
geführt wurde, als ich anfangs wollte. Da diese Verbindungen mit
den Fettsäuren die eonstantesten des Glycyloxydes und fast die einzigen
sind, welche im Thier- und Pflanzenkörper in grösserer Menge
gebildet werden, während die sogenannten glycylschwefelsauren und
glycylphosphorsauren Salze nicht nur auf Umwegen erzeugt werden
müssen, sondern sich auch durch ihre äusserst leichte Zerlegbarkeit
auszeichnen, so begreift man, dass von diesem Standpunkte aus, eben
nur die Verbindungen der Fettsäuren mit dem Glycyloxyde, Aufschluss
über die Formel des letzteren geben können, obschon anderseits
zugestanden werden muss, dass die genaue Untersuchung
der Fettsäuren und besonders der Fette, wegen der Schwierigkeit der
Reindarstellung dieser Substanzen zu den nicht leichten Arbeiten gehört.
Leider waren die meisten der bisher gebräuchlichen Formeln
dieser Salze derart, dass sie im strengsten Sinne des Wortes kein Glycyloxyd,
sondern eine davon wesentlich verschiedene, jedoch daraus
ableitbare Verdindung enthielten, wodurch viel Streit und eine ziemliche
Verwirrung in der Betrachtungsweise dieser Classe von Körpern
entstand. Im Folgenden hoffe ich es nun ersichtlich zu machen, dass
die bisher gebrauchten Formeln sich durch solche ersetzen lassen,
welche sich näher den Daten der Analysen anschliessen, und dass dem
Glycerin hiernach höchstwahrscheinlich ebenfalls die Zusammensetzung
C s Hu O s zukomme.
, II. Stearin.
Seit Lecanu seine Methode zur Darstellung des Stearins *)
bekannt machte, ist diese Substanz mehrfach Gegenstand der Untersuchung
gewesen. Liebig und Pe 1 ouze dann Arzbächer analysirten
das Stearin und Beetz s ) untersuchte Stearin aus der Eisensteingrube
Kiffhau bei Oberkaltenbach, durch Umwandlung von Talg
entstanden. Heintz 3 ) zeigte, dass das nach Lecanu’s Methode
dargestellte Stearin ein Gemenge von zwei oder mehreren Glycerin
haltenden Fetten sei.
Annales de chimie et de physique. Tome 55, pag. 192.
2 ) Poggendorffs Annalen, 59. Band, Seite 111.
3 ) Poggendorffs Annalen, 84. Band, Seite 229.