458
Auer. Die Entdeckung des Naturselbstdruckes
Fischschuppen etc. etc., die so ähnlich befunden wurden „ dass
Fachmänner und Laien die Abdrücke von der Originalzeichnung
des Naturproductes nicht zu unterscheiden vermochten. Wie weit
diese Entdeckung des Naturselbstdruckes in seiner Anwendung
führe, ist unabsehbar. Der Vortragende versichert, dass seit Gutenbergs
Erfindung der Druckkunst keine wichtigere Entdeckung
gemacht worden sei, und dass unser Naturselbstdruck eine ganz
neue Aera in der Publication und bildlichen Darstellung artistischer
und wissenschaftlicher Gegenstände hervorrufe. Er steht wegen
seiner Einfachheit höher als der Lichtdruck und die Galvanoplastik,
denn nur ein geschickter Kupferdrucker mit seiner Presse ist zur
Herstellung nothwendig, und will man unzählige Exemplare drucken,
so bedient man sich noch der galvanischen Plattenvervielfältigung.
Russland hat die Galvanoplastik im Jahre 1837 und Frankreich die
Daguerreotypie im Jahre 1839 zur Benützung der Welt freigegeben,
Österreich hat den beiden Erfindungen nun ein würdiges Seitenstück
geliefert.
(Privilegirt am 12. October 1853, Z. 7098.)
Seine k. k. Apostol. Majestät haben mit Allerhöchstem Handschreiben
vom 29. April 1833 in huldreicher Fürsorge für die
fortschreitende Entwickelung der Kunst und Industrie allergnädigst
zu befehlen geruht, dass die vom Director der Staatsdruckerei,
Regierungsrath Alois Auer, in Gemeinschaft mit dem Factor Andreas
Worring, gemachte und durch ein Privilegium geschützte Erfindung
des Naturselbstdruckes, welche nach den Allerhöchstdenselben zugekommenen
Auskünften sich eben so wichtig als gemeinnützig
darstellt, zur allgemeinen Benützung frei gegeben werde.
Verfahren.
Frage: Wie erlangt man in einigen Secunden fast kostenfrei und täuschend
ähnlich von jedem Original eine Druckplatte, ohne eines Zeichners
oder Graveurs etc. zu bedürfen ?
Lösung: Wenn das Original, sei es eine Pflanze, Blume oder ein Insect, Stoff
oder Gewebe, kurz was immer für ein lebloser Gegenstand, zwischen
eine Kupfer- und eine Bleiplatte gelegt, durch zwei fest zusammengeschraubte
Walzen läuft.
Das Original lässt durch den Druck sein Bild mit allen ihm
eigenen Zartheiten, gleichsam mit seiner ganzen Oberfläche auf der
Bleiplatte zurück.