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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Über  ein  capillares  Gefäss-System  der  Teichmuschel.

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Kreislauf  für  alle  Mollusken  als  charakteristisch  angenommen.  Die
entschiedensten  Gegner  dieser  Anschauungsweise  haben  sich  in
Frankreich  gefunden,  woher  sie  auch  ausgegangen,  so  S  o  u  1  e  y  e  t  und
Roliin,  namentlich  letzterer  ist  es,  der  in  dem  Rapport  a  la  Societe
de  Biologie  über  den  Phlebenterisme  und  die  Arbeiten  Souleyet’s
(1881),  auf  Injectionen  capillarer  Gefässe  gestützt,  sich  entschieden ­
  gegen  jede  Annahme  einer  „UnYollständigkeit”  des  Kreislaufes
erklärt.
In  den  verflossenen  Monaten  habe  ich  die  unterbrochenen
Arbeiten  über  das  Gefäss-System  der  Weichthiere  wieder  aufgenommen, ­
  und  zunächst  die  Kreislaufs-Organe  der  Teichmuschel
untersucht.  Ich  werde  mir  erlauben  der  hohen,  kais.  Akademie  die
Resultate  dieser  Arbeit  seiner  Zeit  mit  der  Bitte  um  Aufnahme  derselben ­
  in  die  Denkschriften  vorzulegen.  Die  Schwierigkeiten  in  der
Anfertigung  der  Abbildungen  verzögerten  den  vollen  Abschluss  der
Arbeit,  und  ich  beschränke  mich  diesmal  auf  eine  vorläufige  Mittheilung ­
  einiger  der  gewonnenen  Resultate  über  das  capillare  Gefäss-System
  dieser  Thiere.
Es  war  mir  vor  Allem  darum  zu  thun,  den  Zusammenhang  des
arteriellen  und  venösen  Systems  zur  Anschauung  zu  bringen;  wenige
Injectionen  reichten  hin,  um  zu  beweisen,  dass  dies  mittelst  eines  geschlossenen ­
  capillaren  Gefäss-Systems  geschehe.  Ich  besitze  capillare
Injectionen  vom  Mantel,  Fuss,  Schliessmuskel,  den  Kiemen,  Mundtentakeln, ­
  Bojanus’schen  Körper,  und  ,  vom  ganzen  Darmrohre.  Ich
habe  im  Mantelrande  die  feinen  Arterien  ins  capillare  Netz  zerfallen,
und  aus  diesem  die  Venen  entstehen  gesehen.
Die  Formen  dieser  capillaren  Gefässnetze  (ich  fand  bis  jetzt
nur  Netze)  sind  in  den  verschiedenen  Organen,  je  nach  der  Aggregation ­
  der  Gewebe  verschieden  ;  in  den  einzelnen’Organen  selbst  hat
der  Grad  und  die  Art  der  Contraction  des  Organes  Einfluss  auf  die
Grösse  und  Form  der  Maschen;  indem  bei  grösserer  Contraction
die  Maschen  verengt  und  nach  bestimmten  Richtungen  verzogen
werden.  Im  Mantel  z.  B.,  der  sich  in  der  Fläche  und  vom  freien  Rande
aufwärts  zusammenzieht,  werden  die  Maschen  mit  dem  Rande  gleichlaufend ­
  in  die  Länge  gedrängt;  im  Fusse,  der  sich  nach  allen  Dimensionen, ­
  selbst  bis  zur  Bildung  von  bruehsaekartigen  Buchten  contrahirt,
  werden  die  ursprünglich  runden  Maschen  so  zusammengedrängt, ­
  dass  kaum  Zwischenräume  wahrzunehmen  sind.
            
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