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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

und  die  Fortbewegung  des  Chylus.  431

schreibt,  aus  Bindegewebe  und  glatten  Muskelfasern  besteht  und  Fortsätze ­
  gegen  die  Marksubstanz  hinschickt,  durch  welche  sie  unvollständige ­
  Fächer  bildet,  in  denen  die  einzelnen  Drüsenelemente  liegen.
Der  Chylus  dringt  aus  den  Vasa  inferentia  zwischen  die  Drüsenelemente ­
  ein,  gelangt  in  die  Poren  der  Marksubstanz  und  tritt  von  da
an  der  entgegengesetzten  Seite  wieder  zwischen  den  Drüsenelementen ­
  hervor,  um  in  die  Vasa  efferentiq  einzufliessen.  In  das  Innere
der  Drüsenelemente  habe  ich  die  Fetttröpfchen  des  Chylus  nie  eintreten
  gesehen;  sie  scheinen  nur  von  dem  flüssigen  Theile  desselben
durchtränkt  zu  werden.  Dagegen  gelangen  die  Zellen,  die  sich  in  den
Drüsenelementen  bilden,  als  Lymphkörperchen  in  den  Chylusstrom.
Überhaupt  werden  die  Lymphkörperchen  in  den  Lymphdrüsen
und  aus  Keimen,  die  aus  dem  Gewebe  derselben  ihren  Ursprung
haben,  gebildet,  wie  ich  schon  am  31.  Jänner  1830  1 )  nachwies.
Über  die  regressive  Metamorphose,  welche  die  Drüsen  in  alten
Individuen  eingehen,  habe  ich  an  einem  sechsundachtzigjährigen
Greise,  hei  dem  sie  mit  Chylus  gefüllt  waren,  einige  Beobachtungen
anstellen  können.  Die  Marksubstanz  hatte  bedeutend  an  Ausdehnung
abgenommen,  die  Pori  derselben  waren  an  Zahl  geringer  und  ihre
Zwischensubstanz  fester.  Sie  stellten  1  bis  8  Centimillimeter  weite
Canäle  dar,  die  stellenweise  anastomosirend,  in  Schwingungen  und
Wellenlinien,  aber  im  Allgemeinen  in  der  Dichtung  vom  Fas  inferens
zum  Vas  effcrens,  durch  die  Drüse  hindurch  gingen.  Die  Drüsenelemente ­
  der  Corticalsubstanz  waren  gleichfalls  verkleinert,  zusammen^
gedrängt,  übereinander  geschoben  und  theilweise  zu  unregelmässigen
Massen  verschmolzen.  Zu  den  Lymphdrüsen  sind  zu  zählen  die  Glandulae ­
  Peyerianae  agminatae  und  die  solitären  Peyerschen  Drüsen
in  den  verschiedenenTheilen  des  Tractus  intestinalis,  also  auch  die
Glandulae  sinvplices  majores  (Böhm)  im  Dickdarm.  Ferner  glaube
ich  dazu  rechnen  zu  müssen  die  Tonsillen  und  die  Balgdrüsen  der
Zungenwurzel.  Über  die  Milz,  die  Thymus  und  die  Nebennieren  kann
ich  mich  aus  verschiedenen  Gründen  erst  in  einer  späteren  Arbeit ­
  aussprechen.  Der  Bau  der  Thyreoidea  ist  sehr  abweichend,  und
die  Zukunft  muss  erst  lehren,  welche  Beziehungen  zwischen  ihr  und
den  übrigen  sogenannten  Blutgefässdrüsen  stattfinden.

*)  Bau  unil  physiologische  Bedeutung  der  Peyer’schen  Drüsen.  Denkschriften,
Bd.  II,  S.  33.

I
            
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