408
U n g e r.
IX. Versuch.
Es wurde ein gesundes, eben im Triebe befindliches Exemplar
von Lonicera anelica gewählt und ein Zweig davon, welcher mehrere
vollkommen ausgebildete, an der Spitze aber einige noch unentwickelte
eingerollte Blattpaare enthielt, mittelst der pneumatischen
Wanne unter einen mit Wasser gefülltem Glascylinder gebracht. Die
sechs im Wasser befindlichen Blattpaare hatten einen Flächenraum
von 1S9G Q Linien.
Schon beim Untertauchen unter das Wasser zeigte es sich, dass
ungeachtet aller Mühe die an den beiden Blattflächen anhängende
Luft nicht zu entfernen war, wodurch eben ein schöner silberglänzender
Überzug entstand.
Um mich davon zu überzeugen, dass diese Eigenschaft durch
einen im Wasser unlöslichen wachsartigen Überzug des Blattes bedingt
wurde, wusch ich ein Blatt dieser Pflanze mit Alkohol, worauf
diese Erscheinung nicht mehr bemerkbar war.
Ohne Einwirkung directen Sonnenlichtes gewahrte man keine
Veränderung, bei Einwirkung desselben aber erhoben sich von der
Blattfläche bald breite, dann rundliche Blasen, die sich nach und
nach von derselben lösten. Die Oberseite der Blätter verhielt sich
in dieser Beziehung eben so wie die Unterseite, nur war nicht zu
verkennen, dass die jüngsten noch eingerollten Blätter am meisten
Luft ausschieden. Bei Nacht und ohne directes Sonnenlicht hörte die
Gasentwickelung gänzlich auf, begann aber sogleich wieder, so wie
dieses einzuwirken anfing.
Von 10 Uhr Morgens (29. März) bis 3 Uhr Nachmittags
(1. April), also durch 77 Stunden, entwickelten sich 24 Cent. Cub.
Luft, dieselbe enthielt in 100 Vol. Theilen 20,4Oxygen — 79,6 Azot.
Bei Beendigung des Versuches vertrockneten die ganz jungen
Blätter sogleich, nachdem sie an die Luft kamen.
X. Versuch.
Von einem zwei Fuss hohen Strauche der Abelia floribunda
wurde ein stark beblätterter, etwas verästelter Zweig mit ISO Blättern,
von denen die grösseren 62 Q Lin. die kleineren 28 Q Lin., alle
zusammen 6S00 Q Lin. massen, unter einen mit Wasser gefülltem
Gascylinder gebracht.