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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Diesiiig.  Charakteristik  und  systemat.  Stellung  einiger  Binnenwürmer.  31

Charakteristik  und  systematische  Stellung  einiger
Binnenwürmer.
Von  Dr.  Karl  ffioriz  Die  sing.
In  Sieb  old  und  Kölliker’s  Zeitschrift  für  wissenschaftliche
Zoologie,  Jahrgang  1852,  hat  Herr  Professor  Stein  in  Tharand  unter
der  Überschrift:  „Beiträge  zur  Entwickelungsgeschichte  der  Eingeweidewürmer” ­
  Beobachtungen  veröffentlicht,  welche  in  zwei  Tlieiie,
nämlich  1.  über  encystirte  geschlechtslose  Rundwürmer,  und  2.  über
die  Entwickelung  der  Bandwürmer  zerfallen.
Was  zuvörderst  die  fraglichen  Rundwürmer  betrifft,  so  wurde
bereits  von  Siebold  ein  solcher  Wurm  im  Rosskäfer  gefunden,  und
fraglich  als  Trichina  spiralis  in  Wi  egm  ann’s  Archiv  1838,1,  312,
angezeigt,  später  aber  von  mir,  als  von  der  in  Wirbelthieren  hausenden ­
  Trichina  verschieden,  einstweilen  zu  Mermis  gezogen,
und  in  meinem  System  der  Helminthen,  Bd.  II,  HO,  als  Mermis
Scccrabaei  stercorarii  aufgeführt.
An  Sieb  old’s  Beobachtung  anknüpfend,  erzählt  nun  Stein,
dass  er  im  Mehlkäfer  (Tcnebrio  molitor),  im  Rosskäfer  Scarabaeus
(Geotrupes)  stercorarius  und  in  Blups  mortisaga  encystirte
Rundwürmer  gefunden  habe.  Die  aus  dem  Mehlkäfer  und  seinen
Larven  fanden  sich  in  der  Leibeshöhle  auf  der  äusseren  Oberfläche
des  Darmcanales.  in  Cysten  von  %—y l0 '"  Durchmesser,  welche
Stein  für  pathologische  Producte  der  organisirenden  Thätigkeit  des
Mehlkäfers  hält.  Der  Wurm  selbst  ist  */ 3 — i / 2 "'  lang,  walzenförmig,
hat  am  Vorder-Ende  zu  jeder  Seite  des  Mundes  einen  zugespitzten,
dreieckigen,  ohrenartigen  Fortsatz  und  verschmälert  sich  gegen  das
Hinter-Ende  vom  After  an  in  einen  etwas  gekrümmten  Schwanz,  der
am  Rande  mit  wenigen  kurzen  zuweilen  mit  einer  Haut  überzogenen
Stacheln  versehen  ist.  Der  Darmcanal  erscheint  in  eine  enge
Schlundröhre,  einen  langen  musculösen  Bulbus,  einen  langen  darmartigen ­
  Magen  und  engen  kurzen  Mastdarm  getbeilt.  Ausserdem
macht  sich  noch  ein  im  vorderen  Theil  des  Körpers  gelegenes  drüsenartiges
  Organ  sammt  Ausführungsgang  ,  dessen  Bestimmung  noch
unerklärt  ist,  bemerklich.
            
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