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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Verlauf  der  Chylusgefässe  in  der  Darinwand.

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Diese  Chylusgefässe  bezogen  ihren  Inhalt  nicht  aus  den  Zotten
allein,  denn  an  vielen  Stellen  zeigte  es  sieh,  dass  auch  zwischen
denselben  und  zwar  zwischen  den  Lieberkühn’schen  Krypten  Cliylus
abgelagert  war.  Dieser  Cliylus,  dessen  Zusammenhang  mit  dem  in  den
Chylusgefässen  befindlichen  sich  sehr  deutlich  verfolgen  liess,  lag
nicht  in  Gefässen,  sondern,  wie  in  den  Zotten,  frei  in  dem  Stroma,  in
welches  hier  die  feinen  und  feinsten  Blutgefässe  eingebettet  sind.
Die  Chylusgefässe  also  waren  ein  dendritisch  verzweigtes  Röhrensystem, ­
  dessen  Äste  die  Längs-  und  Ringmuskelfaserschicht  der
Schleimhaut  durchbohrten  und  dann  ihre  Wände  verlierend  mit  den
interstitiellen  Gewebsräumen  der  darüber  liegenden  Schleimhautschicht ­
  communicirten.
Dieses  Verhalten  der  Chylusgefässe  lässt  einen  Schluss  machen
auf  das  der  Lyrnphgefässe  in  der  Wand  des  Magens  und  des  Dickdarms, ­
  über  welche  bis  jetzt  alle  directen  Beobachtungen  fehlen.  Es
lässt  ferner  begreiflich  erscheinen,  dass  das  Innere  der  Peyerischen
Drüsen,  wenn  dieselben  auch  von  einer  anscheinend  ringsum  geschlossenen ­
  Bindegewebekapsel  umgeben  sind,  dennoch  mit  Chylusgefässen ­
  communiciren  kann.
Wenn  sich  endlich  nachweisen  lässt,  dass  sich  die  Lympligefässe
  in  anderen  Organen,  wie  dieses  nach  der  allgemeinen  Übereinstimmung ­
  zwischen  Lymph-  und  Chylusgefässen  äusserst  wahrscheinlich ­
  ist,  in  analoger  Weise  verhalten,  so  erklärt  sich  hieraus
leicht,  wie  es  zugeht,  dass  bei  bald  nach  dem  Tode  gemachten  Einspritzungen ­
  der  Arterien  die  Masse  nicht  selten  durch  die  Lymphgefässe
  zurückkehrt,  dass  hei  künstlicher,  durch  Einspritzen  von
Blut  in  eine  Vene  hervorgebrachter  Gefässüberfüllung  die  Lymphgefässe
  nicht  allein  von  Blutplasma  geschwellt  werden,  sondern
auch  Blutkörperchen  in  dieselben  übergehen,  und  manche  andere
leicht  zu  constatirende  Thatsachen,  welche  den  so  vielfältig  vertheidigten
  blinden  Enden  und  geschlossenen  Endnetzen  minder  günstig
zu  sein  scheinen.
Bei  dem  Wiesel  entsprangen  die  Chylusgefässe  als  zwei  Centimillimeter
  dicke  Äste,  ein  jegliches  aus  dem  Raume,  der  unter  der
Zotte  und  zwischen  den  die  Basis  derselben  umstehenden  Lieberkühn ­
  scheu  Krypten  liegt.  Alle  diese  Räume  waren  so  mit  Cliylus  gelullt ­
  und  kelchförmig  ausgedehnt,  dass  sie  schon  für  das  blosse  Auge
durch  die  Darmwaud  hindurch  als  ebenso  viele  weisse  Punkte  sicht-
            
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