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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

342  Fitzinger.  Versuch  einer  Geschichte
Sorgfalt,  welche  ihre  Pflege  und  Beaufsichtigung  erheischte,  bewogen
den  Kaiser,  den  im  Alter  bereits  ziemlich  vorgerückten  Pancraz
Nürnberger  1789  in  den  Ruhestand  zu  versetzen;  die  Aufsicht
über  die  Menagerie,  unter  bald  darauf  erfolgter  Verleihung  des  Titels
eines  Directors  der  kaiserlichen  Menagerie,  dem  kaiserlichen  Hof-Gärtner
  Richard  van  der  Schot,  genannt  Reich,  zuzuweisen,
dem  zum  kaiserlichen  Hof-Gärtner  ernannten  Franz  Boos  aber
die  eigentliche  Pflege  der  in  dieser  Anstalt  gehaltenen  Tliiere  zu
vertrauen.  Auch  sah  sich  der  Kaiser  gleichzeitig  veranlasst,  die  bisher
dem  Hof-Controlor-Amte  zugestandene  unmittelbare  Überwachung  der
Menagerie,  dem  Hof-Bau-Amte  zuzuweisen,  welchem  auch  die  kaiserlichen ­
  Hof-Gärten  von  jeher  unterstellt  waren  und  diese  Überwachung ­
  seinem  General-Hof-Bau-Director  Herrn  Ernst  Christoph ­
  Grafen  von  Kaunitz-Rittberg  zu  übertragen.
Nach  dem  Tode  von  Richard  van  der  Schot  1790,  erhielt
der  kaiserliche  Hof-Gärtner  Franz  Boos  von  Kaiser  Leopold  II.
die  Stelle  als  Director  der  kaiserlichen  Menagerie  und  1791  wurde
die  Oberleitung  über  dieselbe  dem  Herrn  General-Ilof-Bau-Director
Vinzenz  Georg  Freiherrn  von  Struppy  übertragen.
Durch  die  reiche  Ausbeute  von  Boos  war  diese  Anstalt  schon
seit  mehreren  Jahren  her  wesentlich  gehoben  worden  und  nur  der
kenntnissreiehen  Sorgfalt,  womit  die  Tliiere  unter  seiner  Leitung
gepflegt  wurden,  war  ihre  längere  Erhaltung  zuzuschreiben.  Demungeachtet
  war  ein  grosser  Theil  der  von  ihm  mitgebrachten  Tliiere
aber  nach  einigen  Jahren  wieder  eingegangen  und  schon  1794  war
die  kaiserliche  Menagerie  zu  Schönbrunn  bei  Weitem  nicht  mehr
so  zahlreich  besucht  wie  in  den  früheren  Jahren  und  zur  Zeit  ihrer
Entstehung  und  Blütlie  unter  ihrem  Gründer.  Die  zufällige  Anwesenheit ­
  einer  bedeutenden  Privat-Menagerie,  welche  ein  Italiener,  Herr
Al  hi,  1798  in  Wien  zur  Schau  gestellt  hatte,  gab  Boos  eine
erwünschte  Gelegenheit,  den  Ankauf  derselben  bei  Seiner  Majestät
Kaiser  Franz  II.  zu  bevorworten.  Die  grosse  Liebe,  womit  dieser
Monarch  den  Naturwissenschaften  zugethan  war,  bestimmte  den
Kaiser  in  diesen  Antrag  einzugehen  und  seihst  in  jenen  für  Österreich ­
  so  bedenklich  gewesenen  Zeiten,  diese  reiche  Thiersammlung
1799  aus  dem  Privatschatze  für  Schönbrunn  anzukaufen.  Dieser
Ankauf  erforderte  eine  Vermehrung  der  bisher  vorhanden  gewesenen
Behältnisse  für  reissende  Thiere.  Die  unzweckmässigen  alten  Rauh-
            
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