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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Über  die  Bracliiopoden  der  Kössener  Schichten.

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Die  Kohle,  deren  unmittelbares  Dach  sie  bilden,  wurde  sicher
nicht  in  hoher  See  abgesetzt.  —  Zur  richtigen  Auffassung  der  etwa
durch  die  Örtlichkeit  bedingten  Modificationen  einer  Ablagerung  hat
man  in  Frankreich  und  der  Schweiz  vor  Allem  die  Küsten  des  damaligen ­
  Festlandes  festzustellen  gesucht;  die  Central-Masse  Frankreichs, ­
  die  Vogesen-und  die  Herzynische-Insel  haben  die  Küsten  der
dortigen  Meere  gebildet.  In  Baiern,  Österreich,  in  Mähren  und
Sachsen  sollte  man  den  Einfluss  nicht  übersehen,  den  das  böhmische
Festland  auf  die  Ablagerungen  der  Jura-Epoche  ausüben  musste.  Im
Erzherzogthume  Österreich  dehnt  sich  dieses  Festland  nach  Süden
und  überschreitet  die  Donau.
Von  bekannten  Arten,  die  auch  in  den  Liasschichten  anderer
Länder  gefunden  werden,  sind  in  den  Kössener  Schichten  zu  nennen:
Spirifer  rostratus,  Sp.  Münsteri,  Terebratula  cornuta,  Rhynchonella
  variabilis.  Bezeichnend  sind  noch  Spirigera  oxyocolgos,
Spirifer  Emmrichi,  Thecidea  Haidingeri,  Rliynclionclla  cornigera,
  Rh.  fissicoslata.  Für  die  Ablagerungen  von  Gresten  u.  s.  w.,
sind  dagegen  bezeichnend:  SpiriferHaueri,  Terebratulagrossulus
und  die  in  zahllosen  Exemplaren  auftretendeRliynclionella  Austriaca.
Unter  dem  Namen  der  Gervillien-Kalke  hat  man  die  Kössener
Schichten  mit  dem  deutschen  Muschelkalke  und  mit  den  Ablagerungen ­
  von  St.  Cassian  verglichen;  unter  den  Bracliiopoden  hat  sich
nichts  gefunden,  das  diese  Ansicht  stützen  könnte.  Im  Gegentheile
zeigt  der  enge  Zusammenhang  der  einzelnen  liassischen  Glieder  unter ­
  einander,  dass  die  Hallstätter  Schichten,  unter  denen  wir
St.  Cassian  mit  begreifen,  jedenfalls  tiefer  zu  stellen  seien.  Denn
auch  nach  oben  schliessen  sich  an  den  Lias  die  dem  braunen  Jura
und  der  Oolith-  Gruppe  angehörigen  Klaus-  und  Vils  -  Schichten
innig  an.
Ausser  den  individuellen  Eindrücken,  die  der  Lohn  einer  jeden
Arbeit  sind,  zu  der  man  die  grossartige  Gesammtheit  unseres  alpinen ­
  Hochgebirges  ins  Auge  fassen  muss,  habe  auch  ich  mir  die  innigste ­
  Überzeugung  verschafft,  dass  die  Verhältnisse  der  Versteinerungskunde ­
  zur  Stratigraphie  in  den  Alpen  denselben  unwandelbaren
und  grossartigen  Gesetzen  unterworfen  sind  ,  als  anderswo.
            
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