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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

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S  u  e  s  s.

nachdem  die  Grundlage  durch  die  geologischen  Arbeiten  von  Litl,
Partsch,  Boue,  Unger  und  Haidinger  gegeben  war.  Einen
besonderen  Anhaltspunkt  haben  bei  diesen  Schichten  die  Untersuchungen ­
  von  Unger  und  v.  Ettings  hausen  über  die  Pflanzen  der
Alpenkohle  geboten.
Die  Kossen  er  Schichten  gehören  der  Lias-Gruppe  an.
Es  sind  schwarze  bis  hellgraue  Kalke,  die  aus  Baiern  längs  dem
Nord-Abhange  der  Ost-Alpen  bis  in  die  Gegend  von  Wien  sich  fortziehen. ­
  Am  Süd-Abhange  der  Alpen  sind  ihnen  die  Ablagerungen  vom
Col  des  Encombres,  vom  Arzo  bei  Mendrisio,  zu  vergleichen.  Die
typische  Loealität  ist  Kossen  in  Tyrol.
Die  hellrothen  bis  weissen,  wenig  mächtigen  Kalklagen,  welche
oft  ganz  mit  Petrefacten  erfüllt,  an  mehreren  Punkten  des  Piestinger
und  des  Klosterthaies,  an  der  Tonion-Alpe,  am  Grimming  u.  s.  w.
anstehen,  und  als  Starhemberger  Schichten  bekannt  sind,
enthalten  beinahe  nur  solche  Brachiopoden,  die  auch  in  den  Kössener
Schichten  Vorkommen.  Es  fehlt  ihnen  bis  jetzt  Spirigera  oxyocolpos,
die  eine  der  auffallendsten  und  bezeichnendsten  Arten  der  Kössener
Schichten  ist.  Mit  einziger  Ausnahme  der  Rhynchonellen  liegen  in
den  Starhemberger  Schichten  die  Brachiopoden  beinahe  nur  in  vereinzelten ­
  Schalen,  und  obgleich  das  Gestein  oft  von  ihnen  ganz  erfüllt
ist,  findet  man  nur  sehr  selten  ein  ganzes,  geschlossenes  Exemplar.
Die  schwarzen  Kalke  von  Gr  es  teil,  Grossau,  Pechgraben, ­
  Bernreuth  u.  s.  w.,  welche  gewöhnlich  das  Hangende  der
Alpenkohle  bilden  und  bisher  den  Kössener  Schichten  zugezählt  wurden, ­
  haben  mit  denselben  nur  solche  Arten  gemein,  welche  in  unseren ­
  Alpen  durch  alle  Lias-Schichten  durchgreifen,  z.  B.  Spirifcr
Münsteri  und  Sp.  rostratus.  Sie  lassen  sich  noch  keineswegs  mit
den  Kössener  Schichten  identificiren,  wenn  auch  ihre  geologischen
und  petrograpliischen  Verhältnisse  sehr  ähnlich  scheinen.  Die  Untersuchung ­
  der  Versteinerungen  dieser  Kalke  greift  tief  ins  praktische
Leben  ein,  da  ihnen  nicht  nur  ein  grosser  Theil  der  Alpenkohle,
sondern  auch  der  ganze  Kohlenreichthum  von  Fünfkirchen  und  ein
Theil  der  Banater  Flötze  angehört.  Nur  desshalb  wage  ich  es  noch
nicht,  diese  Kalke  als  ein  selbstständiges  Glied  des  Alpenkalkes  zu
betrachten,  weil  sie  möglicherweise  nur  durch  die  Örtlichkeit  bedingte ­
  Abweichungen  von  dem  normalen  Charakter  der  Kössener
Schichten  sind.
            
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