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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Über  die  Brachiopoden  der  Kossener  Schichten.

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Verhältnisse  unserer  heutigen  Alpen  auf  jeden  Beobachter  macht,
diese  ganze  Fauna,  oder  vielmehr  den  geringen  Theil  derselben,
der  bisher  der  gelehrten  Welt  bekannt  geworden  ist,  geradezu  als
etwas  Abgesondertes,  nicht  zu  Vergleichendes  betrachtet.  Diese
Ansichten  haben  zum  Glücke  noch  nicht  festen  Fuss  gefasst;  ja  es
dürfte  sich  vielleicht  jetzt  schon  die  Mehrzahl  der  Beobachter  überzeugt ­
  haben,  dass  es  nur  durch  eine  genauere  Untersuchung  dieser
Fauna  gelingen  werde,  den  Alpenkalk  in  seine  zahlreichen  Glieder
zu  trennen.
Was  bei  Betrachtung  dieser  Fauna  mehr  noch  als  die  grosse
Zahl  neuer  Arten  auffallt,  ist  das  Auftreten  von  Geschlechtern,  die
man  bisher  nur  in  älteren  Schichten  zu  sehen  gewohnt  war.  Die
Thatsaehen,  welche  die  triassischen  Cephalopoden  betreffen,  sind
durch  die  glänzenden  Arbeiten  des  Hrn.  v.  Hauer  sichergestellt
worden;  die  Brachiopoden  haben  ähnliche  Resultate  auch  in  höheren
Schichten  geliefert.  Das  lange  für  ausschliesslich  palaeozoisch
gehaltene  und  erst  jüngst  auch  in  der  Trias  nachgewiesene
Geschlecht  Spirigera  ist  durch  eine  seiner  schönsten  Arten  vertreten; ­
  dies  ist  nicht  Staunenswerther,  als  die  Auffindung  einer
Reihe  von  Arten  aus  dem  ebenfalls  für  ausschliesslich  palaeozoisch
gehaltenen  Gescldechte  Lepiaena  im  Lias  von  England  und  Frankreich. ­
  Es  zeigt  nur,  dass  man  zu  schnell  es  gewagt  hat,  allgemeine ­
  Begriffe  über  den  Charakter  der  Fauna  dieser  Epochen  sich
zu  bilden,  welche  Begriffe  nun  durch  die  Beobachtungen  erweitert
werden.  Und  wenn  man  einzelne  Stockwerke  des  Alpenkalkes  vom
bairischen  Hochgebirge  an  längs  der  grössten  Diagonale  des  weiten
Kaiserreiches  bis  an  seine  äussersten  Grenzen  gegen  die  Türkei  verfolgen ­
  kann,  wagt  man  es  nicht  mehr,  Bildungen  von  so  bedeutender
Ausdehnung  als  exceptionelle  zu  betrachten.
Bevor  ich  näher  auf  die  Auseinandersetzung  der  Resultate  eingehe, ­
  die  sich  bisher  in  Bezug  auf  die  Kossener  Schichten  ergeben
haben,  sei  es  bemerkt,  dass,  wenn  ich  auch  gerne  die  Verantwortlichkeit ­
  für  diese  Resultate  auf  meine  Schultern  nehme,  dieselben
doch  nur  zum  geringen  Theile  aus  der  vorliegenden  Arbeit  hervorgegangen
  sind.  Der  klare  Überblick,  in  den  Bergrath  v.  Hauer  die
anstrengenden  und  gefahrvollen  Untersuchungen  der  k.  k.  Reichsgeologen ­
  zu  ordnen  wusste,  so  wie  die  Untersuchungen,  welche  Prof.
Emmrich  in  Baiern  unternahm,  haben  die  Einzelheiten  aufgehellt,
            
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