Über die Brachiopoden der Kossener Schichten.
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Verhältnisse unserer heutigen Alpen auf jeden Beobachter macht,
diese ganze Fauna, oder vielmehr den geringen Theil derselben,
der bisher der gelehrten Welt bekannt geworden ist, geradezu als
etwas Abgesondertes, nicht zu Vergleichendes betrachtet. Diese
Ansichten haben zum Glücke noch nicht festen Fuss gefasst; ja es
dürfte sich vielleicht jetzt schon die Mehrzahl der Beobachter überzeugt
haben, dass es nur durch eine genauere Untersuchung dieser
Fauna gelingen werde, den Alpenkalk in seine zahlreichen Glieder
zu trennen.
Was bei Betrachtung dieser Fauna mehr noch als die grosse
Zahl neuer Arten auffallt, ist das Auftreten von Geschlechtern, die
man bisher nur in älteren Schichten zu sehen gewohnt war. Die
Thatsaehen, welche die triassischen Cephalopoden betreffen, sind
durch die glänzenden Arbeiten des Hrn. v. Hauer sichergestellt
worden; die Brachiopoden haben ähnliche Resultate auch in höheren
Schichten geliefert. Das lange für ausschliesslich palaeozoisch
gehaltene und erst jüngst auch in der Trias nachgewiesene
Geschlecht Spirigera ist durch eine seiner schönsten Arten vertreten;
dies ist nicht Staunenswerther, als die Auffindung einer
Reihe von Arten aus dem ebenfalls für ausschliesslich palaeozoisch
gehaltenen Gescldechte Lepiaena im Lias von England und Frankreich.
Es zeigt nur, dass man zu schnell es gewagt hat, allgemeine
Begriffe über den Charakter der Fauna dieser Epochen sich
zu bilden, welche Begriffe nun durch die Beobachtungen erweitert
werden. Und wenn man einzelne Stockwerke des Alpenkalkes vom
bairischen Hochgebirge an längs der grössten Diagonale des weiten
Kaiserreiches bis an seine äussersten Grenzen gegen die Türkei verfolgen
kann, wagt man es nicht mehr, Bildungen von so bedeutender
Ausdehnung als exceptionelle zu betrachten.
Bevor ich näher auf die Auseinandersetzung der Resultate eingehe,
die sich bisher in Bezug auf die Kossener Schichten ergeben
haben, sei es bemerkt, dass, wenn ich auch gerne die Verantwortlichkeit
für diese Resultate auf meine Schultern nehme, dieselben
doch nur zum geringen Theile aus der vorliegenden Arbeit hervorgegangen
sind. Der klare Überblick, in den Bergrath v. Hauer die
anstrengenden und gefahrvollen Untersuchungen der k. k. Reichsgeologen
zu ordnen wusste, so wie die Untersuchungen, welche Prof.
Emmrich in Baiern unternahm, haben die Einzelheiten aufgehellt,