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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

ISO

Hyrtl.  Über  das  Labyrinth  und  die

nicht  eine  Spur  von  Gefässverzweigungen  an  der  fraglichen  Höhlenwand ­
  aufzufinden  war.  Dagegen  zeigte  die  an  einem  zweiten
Exemplare  zur  Gegenprobe  vorgenommenen  Einspritzung  des  Venensystems, ­
  dass  die  Jugularvenen  das  Blut  aus  den  Wandungen
der  Höhle  erhalten,  und  somit  dieser  nicht  die  Bedeutung  eines
accessorischen  Athmungsorgans  zukommen  kann,  welche  dem  blätterig-zeiligen ­
  Labyrinth  der  übrigen  Ldbyrinthibranchi  nicht  zu
bestreiten  ist.
Der  Erfolg  der  Injection  der  Kiemenarterien  führte  mich  ferner
zur  Feststellung  der  Thatsache,  dass  die  untersuchte  Species  von
Ophicephalus  wahre  Aortenbögen  besitzt,  wie  sie  bisher  nur  bei
Amphipnous  Cuchia  f ),  Monopterus  javanicus  a ),  und  Lepidosiren
  paradoxa  und  annectens  3 )  bekannt  waren.  Es  fiel  mir  schon
bei  der  Vorbereitung  des  Thieres  zur  Einspritzung  auf,  dass  der
vierte  Kiemenbogen  auffallend  kurz,  und  seine  niedrigen  und  wenigen ­
  Blättchen  so  mit  einander  zu  einer  harten,  dicken  Leiste  verwachsen ­
  waren,  dass  nur  ihre  Spitzen  in  einfacher  Reihe  frei
hervorragten.  Die  vierte  Kiemenspalte  ist  sehr  klein  —  eigentlich
nur  ein  schmales,  schlitzförmiges  Loch.  Ich  vermuthete  desshalb  schon
das  Vorhandensein  eines  Aortenbogens  am  vierten  Kiemenbogen,  und
konnte  denselben  nach  der  Füllung  der  Gefässe  mit  Leichtigkeit
präpariren.
Die  dritte  und  vierte  Kiemenarterie  entspringen  beiderseits  aus
einem  kurzen  gemeinschaftlichen  Stamme.  Die  Arterie  zum  vierten
Kiemenbogen  übertrifft,  trotz  des  verkümmerten  Zustandes  seiner
Blättchen,  die  übrigen  um  das  Dreifache  des  Volumens,  versorgt  die
spärlichen  Blättchen  ihres  Bogens  mit  dicken,  kammförmig  gestellten
Ästchen,  und  geht  ohne  merkbare  Abnahme  ihrer  Stärke,  über  der
dorsalen  Wand  des  früher  besprochenen  Nebensackes  der  Kiemenhöhle ­
  zur  Aortenwurzel.  Es  ist  mir  sehr  wahrscheinlich,  dass  Taylor ­
  diese  Fortsetzung  der  Kiemenarterien  gesehen,  sie  jedoch  nicht
als  Aortenbogen  erkannte,  sondern,  weil  sie  über  den  von  ihm  für
respiratorisch  gehaltenen  Kiemensack  wegstreicht,  für  eine  zuführende ­
  Arterie  desselben  hielt.  Interessant  ist  ferner,  dass  die  Aortenl

 )  Von  Taylor,  in  dem  Eingangs  citirten  Aufsatze  beschrieben.
3 )  Von  J.  Müller  entdeckt  (Gefäss-System  der  Myxinoiden,  pag.  74).
3 )  Von  B  i  s  ch  o  f  f,  J)  w  en  und  mir  beschrieben.
            
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