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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

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Rokitansky.  Über  die  pathologische  Neubildung

Diese  Tumoren  kommen  allem  Anscheine  uacli  einzig  und  allein
in  der  Brustdrüse  oder  doch  in  ihrer  Nähe  vor,  und  zwar  in  der
weiblichen.  Von  dem  Vorkommen  derselben  in  der  Brustdrüse  des
Mannes  sind  mir  nur  zwei  Fälle  bekannt,  von  denen  der  eine  von
Paget,  der  andere  von  Job.  Müller  angeführt  wird.
Sie  kommen,  wie  ich  zum  grössten  Theile  den  Mittheilungen
praktischer  Chirurgen  entnehme,  an  jeder  Stelle  der  Brust,  am  gewöhnlichsten ­
  an  der  inneren  und  oberen  Gegend  der  Brustdrüse  vor.
Sie  sind,  wie  ihre  selbstständige  Beweglichkeit  errathen  lässt,  nur
lose  mit  der  Brustdrüse  verbunden.
Der  Gestalt  nach  sind  sie  im  Allgemeinen  rundlich;  kleine  Tumoren ­
  sind  gemeinhin  eben  und  glatt,  grössere  höckerig-uneben,  knollig,
gelappt,  dabei  ziemlich  resistent,  elastisch,  sehr  oft  im  Ganzen  oder
in  einzelnen  Abschnitten  vom  Anfühlen  einer  mit  Flüssigkeit  prall
gefüllten  Cyste.
Die  Haut  bietet  über  grossen  Tumoren  oft  ein  livides  Ansehen
dar,  ist  von  erweiterten  Venen  durchzogen,  sonst  aber  nicht  verändert, ­
  zuweilen  mit  dem  Tumor  verwachsen,  aber  nicht  entartet.  Die
Brustdrüse  wird  von  grossen  Tumoren  zur  Seite  gedrängt  und
schwindet.
An  Grösse  erreichen  sie  nicht  selten  ein  ausserordentliches  Volumen, ­
  z.  B.  Mannskopfgrösse  und  darüber,  hiemit  zugleich  ein  namhaftes ­
  Gewicht.  Liston  entfernte,  wie  P  aget  anführt,  einen  Tumor
von  12  Pfund  Gewicht.  Sie  wachsen  bald  langsam,  bald  schnell,  viele
bleiben  sehr  lange  klein  und  machen  überhaupt  in  ihrem  Wachsthume
  auffallende  lange  Stillstände.  Zuweilen  verschwinden  sie  von
selbst.
Zuweilen  sind  mehrere  kleine  Tumoren  zugleich  vorhanden,
wohin  die  Beobachtung  Cru  vei  lhier’s  gehört—  eine  Frau,  welche
durch  zwanzig  Jahre  drei  Tumoren  in  einer  und  einen  in  der  andern
Brust  hatte.
Sehr  gewöhnlich  sind  sie  nicht  schmerzhaft,  doch  kommen  Fälle
genug  vor,  wo  sie  ausserordentlich  schmerzhaft  sind  und  ihre  Exstirpation ­
  einzig  und  allein  desshalb  nothwendig  wird.  Sie  stellen  dann
Cooper’s  irritablen  Tumor  der  Brust  dar,  der  überhaupt  eine  fibröse
Geschwulst  (ein  Neurom)  ist,  und  wie  Paget  behauptet,  in  den  meisten ­
  Fällen  mit  dieser  Neubildung  combinirt,  d.  i.  ein  mammary  glandulär ­
  tumour  gewesen  ist.
            
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