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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

142  Rokitansky.  Über  die  pathologische  Neubildung
Frage,  ob  diese  Tumoren  ursprünglich  in  Cysten  entstehen,  vorgebracht ­
  hat.  Paget  neigt  sicli  zu  der  Ansicht,  dass  dieselben  (mit
Inbegriff  anderer  Drüsenproductionen)  in  Cysten  entstehen,  gibt  aber
zu,  dass  sie  oft  frühzeitig  die  Cystenform  verlieren  und  fortfahren,
als  solide  Massen  fortzuwachsen.  Er  kennt  augenscheinlich  die  Grundlage ­
  dieser  Cyste  nicht,  ebenso  wie  Birkett,  der  sie  im  Allgemeinen ­
  aus  einem  Blastem-Ergusse  in  das  Areolargewebe  der  Brustdrüse
ableitet,  und  wie  Lebert,  welcher  weitläufig  sagt,  dass  sie  sich
später  um  den  Tumor  herumbildet.
Das  dieser  Cyste  zu  Grunde  liegende,  ein  Brustdrüsenelement
wiederholende  acinusartige  Hohlgebilde  kommt  augenscheinlich  in
einem  Bindegewebslager  neuer  Bildung  zur  Entwickelung,  welches
den  ursprünglichen  Tumor  constituirt.  Und  dieser  Tumor  ist,  wenn
man  nicht  eine  adventitielle  fasciaartige  Bindegewebshülle  als  Cyste
missdeutet,  durchaus  nicht  incystirt.  Eine  Cyste  entwickelt  sich  erst
in  ihm  durch  die  Erweiterung  jenes  Drüsengebildes,  wobei  das
Bindegewebslager  zur  Construction  der  faserigen  Cystenwand  verwendet ­
  wird.  Indem  dieses  nun  in  den  Raum  dieser  Cyste  mit  Einstülpung ­
  der  primitiven,  struclurlosen  Cystenmembran  hereinwächst,
so  kommt  erst  jetzt  eine  incystirte  Gewebsmasse,  ein  ineystirter
Tumor  zum  Vorschein,  in  welchem  sich  wieder  dieselben  Drüsenelemente ­
  erzeugen.
Alle  Beobachter,  welche  die  Natur  dieser  Tumoren  einigermassen
  erkannten,  weisen  auf  die  Verwandtschaft  derselben  mit  dem
sogenannten  Cystos  ar  comen(sero-cyslic  tumoursBrodle’s)  hin.
Sie  sind  in  der  That  sehr  innig  verwandt,  denn  es  wird  der  in  Rede
stehende  Tumor  eben  durch  Erweiterung  seiner  drüsenartigen  Hohlgebilde ­
  zum  Cystosarcome  und  die  im  ersten  und  zweiten  Falle
beschriebenen  Tumoren  sind  in  der  That  bereits  Cystosarcome.
Ich  habe  die  in  der  Bindegewebsmasse  des  Sarcoms  vorhandenen
Cysten  bisher  theoretisch  aus  dem  Kerne  und  der  structurlosen  Blase
entwickelt  und  ich  zweifle  auch  bisher  nicht,  dass  es  fibröse  Geschwülste ­
  gibt,  in  denen  eine  solche  Cystenbildung  vorkommt,  soferne
  mir,  wenn  auch  sehr  selten,  so  doch  unzweifelhaft  selbst  in
Uterus-Fibroiden  structurlose  in  einem  aus  geschwänzten  Zellen
bestehenden  Alveolus  gebettete  Blasen  vorkamen.  Allein  ich  muss
nunmehr  in  Betreff  der  in  Rede  stehenden  Cystosarcome  der  Brustdrüse ­
  jener  Lehre  beschränken,  indem  ich  die  Überzeugung  aus-
            
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