von Brustdrüsentextur und ihre Beziehung zum Cystosarcom. 139
und oben hin in der Milchdrüse, war jedoch von dieser selbst abgegrenzt
und leicht ausschälbar. Sie war wenig schmerzhaft und soll
innerhalb der letzten acht Tage um das Doppelte gewachsen sein.
Ein kleiner Knoten soll schon lange bestanden haben und dieser,
möglicher Weise durch Druck zu jenem Wachsthum veranlasst
worden sein.
Sie hatte im frischen Zustande eine rothbräunliche Färbung, die
bereits verschwunden war, als ich ein kleines Stückchen davon
bekam; es sah graulich aus, war weich, sehr sukkulent, matt durchscheinend,
glasig. Nur bei aufmerksamer Besichtigung konnte man
hie und da schwache, nebelartige Zeichnungen wahrnehmen. Die
mikroskopische Untersuchung einer Lamelle zeigte bei einer 450maligen
Vefgrösserung in Fig. (5 quere und schräge Durchschnitte von
Canälen, deren Lumen von granulirten Kernen ausgefüllt war, und ein
vielfach traubig ausgebuchtetes Hohlgebilde, gleichfalls von Kernen
angefüllt.
In diesen Geschwülsten findet sich also, wie aus der Darlegung der
Beobachtungen ersichtlich ist, eine Neubildung der Elemente der Brustdrüse
vor. Sie liegen zerstreut in einer Gewebsmasse, welche gleichsam
das Stroma darstellt; es fehlt jedoch jede Vereinigung mehrerer
zu einem Ausführungsgange, noch mehr jede Communication mit denen
der originären Brustdrüse. Jene Gewebsmasse besteht tlieils aus formlosem,
gallertähnlichem, tlieils faserigem Bindegewebe, eine Verschiedenheit,
welche der Aufstellung mehrerer Gruppen dieser Geschwülste,
wie siePaget versuchte, zu Grunde liegt, indem sie sich auf den verschiedenen
Grad von Consistenz und Dichtigkeit derselben bezieht.
Diese Tumoren wurden zuerst von A. Cooper als eigenartige
erkannt und mit dem Namen chronic mammary tumour belegt.
Ihren feineren Bau erkannte Lebert (Phys. path. Tom. II, p. 189)
nun unabhängig von ihm J. Birkett (Diseases of the breast etc.,
London 18S0). Beide sehen in ihnen eine unvollkommene Hypertrophie
der Brustdrüse, wobei sie der letztere unter dem Namen lobular
imperfect Hypertrophy (of the mamary yland) abhandelt.
Paget erörtert dieselben als glandular tumours mit Hinblick auf die
Neubildung anderer Drüsentexturen (Lectures on Tumours, London
1851) . Reinhardt (R. Nachlass von R. Leubuscher, Berlin
1852) sieht in ihnen keine Neubildung, sondern eine Hypertrophie
bestehender Drüsenelemente — Vermehrung der Drüsengänge und