ÜDer Aufsaugung von Parbestoffcn durch lebende Pflanzen. 119
langgestreckten Zellen sich zur Aufnahme des Farbestoffes bequemen
mussten. Es ergibt sich hieraus aber, dass die Erfüllung der Spiralgefässe
mit dem Farbestoffe nur als eine Anomalie anzusehen ist,
welche durch die Natur des Farbestoffes bedingt ist, und dort, wo
derselbe wahrhaft indifferenter Natur ist, wohl von Zelle zu Zelle
fortschreitet, nie aber ausserhalb derselben zu wandern genöthigt
wird.
An anderen weissblühenden Pflanzen, wie z. B. an Tradescantia
Sellowii, Begonia colorata, Narcissus poeticus u. a. m.
wurden gleichfalls Färbungsversuche sowohl mit Kermesbeer- als
mit Hollunderbeersaft angestellt, jedoch durchaus ohne Erfolg, mit
Ausnahme der letztgenannten Pflanze, die durch Phytolaecasaft etwas
geröthet wurde.
Bemerkenswerth fand ich bei diesen Versuchen unter andern
noch den Umstand, dass man an den Faserwurzeln der Hyacinthe den
Unterschied der Färbung der Spitze und des Grundes derselben
sehr deutlich zu unterscheiden im Stande war.
Während sich die Spitze sehr tingirt zeigte, liess sich die
Färbung am Grunde kaum erkennen, was nicht undeutlich darauf
hinweiset, dass nur durch die ersteren die Aufsaugung geschieht.
Damit im Einklänge steht daher auch die Wahrnehmung, dass die
Wurzelhaare, die stets nur über der Wurzelspitze hinaus vorhanden
sind, meist ungefärbt erscheinen, sich also eben so wenig bei
der Aufsaugung betheiligen, als der Theil der Wurzel selbst, auf
dem sie sich befinden.
Schliesslich gebe ich nur noch die Bereitungsweise der Pflanzensäfte,
wie sie hier in Anwendung gebracht wurden an, um eine
Wiederholung der Versuche, die Manchem erspriesslich scheinen
dürfte, desto leichter zu ermöglichen. Herr Apotheker Petritsch
in Gratz, von dem ich bisher diese Säfte bezog, gab mir für ihre
Bereitung folgendes Recept.
Man zerquetscht die farbestoffhaltigen Pflanzenfrüchte (die
Steinfrüchte von ihrem Putamen gelöset), presst den erhaltenen Saft
aus und filtrirt denselben sogleich durch feines Filterpapier. Der so
vom Schleime, Stärke, Chlorophyll u. s. w. gereinigte Saft wird nun
in offenen Gefässen der Gährung ausgesetzt. Ist diese geschehen,
nachdem ein Theil der Flüssigkeit zuweilen schon in Essigbildung
überging, so wird der gegohrene Saft in steinerne Krüge (Plutzer)