118
U n g e r.
Das weisse Perigonium der Hyacintlien wurde nacli längerer
Einwirkung des Farbestoffes auf die Wurzeln der Pflanze endlich
gefärbt, die Färbung erreichte jedoch lange nicht jene Intensität wie
durch den Pliytolaccasaft. Erst am zweiten Tage des Versuches
konnte man einige dunkle Striemen, anfänglich in der Röhre, dann
und zwar deutlicher in der Mitte der Zipfeln der Blumenkrone bemerken.
Dieselben schimmerten hier eben so wie hei Anwendung
des Phytolaccasaftes durch die ungefärbten weiss erscheinenden Zellen
hindurch. Die anatomische Untersuchung tliat auch hier dar, dass
die Gefässbündel und nur diese allein die Träger des Farbestoffes
waren, allein es ergab sich, dass die langgestreckten Zellen derselben
den Farbestoff nur in einem sehr verdünnten und kaum bemerkbaren
Grade enthielten, dass dagegen hier aber auch die Spiralgefässe,
welche sonst durchaus Luft führten, mit dem gefärbten Safte
erfüllt waren. An der Spitze der Zipfeln der Blumenkrone, wo die
Färbung am intensivsten wurde, waren es vorzüglich die in einem
Bündel vereinigten Spiralgefässe, welche die grösste Menge des
Farbestoffes enthielten, und daher sowohl auf Längen- als auf Querschnitten
schwarzroth erschienen. Erforschte man die Stelle näher
welche der Farbestoff einnahm, so erschien der zwischen den
Windungen der Spiralfaser befindliche Raum an der Gefässwand
als derjenige, wo derselbe am meisten angehäuft war, aber auch
hier zeigten sich nicht etwa Flocken, sondern eine dunkelrothe
Flüssigkeit, welche gleichmässig an der gedachten Stelle verbreitet
war.
Es ist also der Weg, den der Saft der Hollunderheere bei der
Röthung des Perigoniums der Hyacintlien genommen hat, zum Theile
von dem Wege verschieden, den der Pliytolaccasaft in derselben
Pflanze in der Regel zu nehmen scheint. Die Ursache dieser verschiedenen
Wirkung kann nur in der verschiedenen Wirksamkeit
des Farbestoffes auf die Zellmembran liegen, die in dem einen Falle
sich wegsam genug erweiset, um in den die Gefässe begleitenden
Zellen Platz zu finden, und zugleich von einer in die andere weiter
gefördert zu werden, während im andern Falle die Zellmembran der
Aufnahme des Farbestoffes mehr ividerstrebt und denselben zugleich
nöthiget in die angrenzenden mit Luft erfüllten Räume der Spiralgefässe
überzutreten. Diese Erklärung scheint um so richtiger als
auch im Schafte dieser Pflanze die kleinen Intercellulargänge der