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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

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U  n  g  e  r.

Das  weisse  Perigonium  der  Hyacintlien  wurde  nacli  längerer
Einwirkung  des  Farbestoffes  auf  die  Wurzeln  der  Pflanze  endlich
gefärbt,  die  Färbung  erreichte  jedoch  lange  nicht  jene  Intensität  wie
durch  den  Pliytolaccasaft.  Erst  am  zweiten  Tage  des  Versuches
konnte  man  einige  dunkle  Striemen,  anfänglich  in  der  Röhre,  dann
und  zwar  deutlicher  in  der  Mitte  der  Zipfeln  der  Blumenkrone  bemerken. ­
  Dieselben  schimmerten  hier  eben  so  wie  hei  Anwendung
des  Phytolaccasaftes  durch  die  ungefärbten  weiss  erscheinenden  Zellen ­
  hindurch.  Die  anatomische  Untersuchung  tliat  auch  hier  dar,  dass
die  Gefässbündel  und  nur  diese  allein  die  Träger  des  Farbestoffes
waren,  allein  es  ergab  sich,  dass  die  langgestreckten  Zellen  derselben ­
  den  Farbestoff  nur  in  einem  sehr  verdünnten  und  kaum  bemerkbaren ­
  Grade  enthielten,  dass  dagegen  hier  aber  auch  die  Spiralgefässe,
  welche  sonst  durchaus  Luft  führten,  mit  dem  gefärbten  Safte
erfüllt  waren.  An  der  Spitze  der  Zipfeln  der  Blumenkrone,  wo  die
Färbung  am  intensivsten  wurde,  waren  es  vorzüglich  die  in  einem
Bündel  vereinigten  Spiralgefässe,  welche  die  grösste  Menge  des
Farbestoffes  enthielten,  und  daher  sowohl  auf  Längen-  als  auf  Querschnitten ­
  schwarzroth  erschienen.  Erforschte  man  die  Stelle  näher
welche  der  Farbestoff  einnahm,  so  erschien  der  zwischen  den
Windungen  der  Spiralfaser  befindliche  Raum  an  der  Gefässwand
als  derjenige,  wo  derselbe  am  meisten  angehäuft  war,  aber  auch
hier  zeigten  sich  nicht  etwa  Flocken,  sondern  eine  dunkelrothe
Flüssigkeit,  welche  gleichmässig  an  der  gedachten  Stelle  verbreitet ­
  war.
Es  ist  also  der  Weg,  den  der  Saft  der  Hollunderheere  bei  der
Röthung  des  Perigoniums  der  Hyacintlien  genommen  hat,  zum  Theile
von  dem  Wege  verschieden,  den  der  Pliytolaccasaft  in  derselben
Pflanze  in  der  Regel  zu  nehmen  scheint.  Die  Ursache  dieser  verschiedenen ­
  Wirkung  kann  nur  in  der  verschiedenen  Wirksamkeit
des  Farbestoffes  auf  die  Zellmembran  liegen,  die  in  dem  einen  Falle
sich  wegsam  genug  erweiset,  um  in  den  die  Gefässe  begleitenden
Zellen  Platz  zu  finden,  und  zugleich  von  einer  in  die  andere  weiter
gefördert  zu  werden,  während  im  andern  Falle  die  Zellmembran  der
Aufnahme  des  Farbestoffes  mehr  ividerstrebt  und  denselben  zugleich
nöthiget  in  die  angrenzenden  mit  Luft  erfüllten  Räume  der  Spiralgefässe ­
  überzutreten.  Diese  Erklärung  scheint  um  so  richtiger  als
auch  im  Schafte  dieser  Pflanze  die  kleinen  Intercellulargänge  der
            
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