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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

Unger.  Über  Aufsaugung  von  Farbestoffen  durch  lebende  Pflanzen.  117

SITZUNG  VOM  27.  JÄNNER  1853.

Vortra  g.
Nachträgliches  zu  den  Versuchen  über  Aufsaugung  von
Farbestoffen  durch  lebende  Pflanzen.
Von  dem  w.  M.  Prof.  P.  Enger.
Im  ersten  Bande  der  Denkschriften  der  kaiserl.  Akademie  der
Wissenschaften  habe  ich  Versuche  über  die  Aufnahme  von  gefärbten
Pflanzensäften  durch  die  Wurzeln  der  Pflanzen  beschrieben,  und
durch  anatomische  Untersuchungen  die  Wege  ausfindig'zu  machen
gesucht,  welche  der  Farbestoff  von  da  aus  nimmt,  um  endlich  bis  an
die  äussersten  Theile  der  Pflanze  zu  gelangen.  Es  hat  sich  gezeigt,
dass  diese  Eigenschaft  den  Farbestoff  unverändert  aufzunehmen  und
weiter  zu  führen  nur  wenigen  Pflanzen,  und  eben  so  wenigen  gefärbten ­
  Pflanzensäften  zukomme.  Vor  allem  hat  sich  zu  diesem
Erperimente  am  passendsten  die  weissblühende  Hyacinthe  und  der
Kermesbeersaft  erwiesen.  Die  durch  diesen  Saft  gerötheten  Perigonien
  der  Hyacinthe  stellen  dies  Phänomen  am  schönsten  und
deutlichsten  dar.  Der  rothe  Farbestoff  ist  jedoch  dabei  nicht  bloss
in  den  Bliitentheilen  zu  erkennen,  sondern  man  findet  ihn  von  den
Wurzelspitzen  an  durch  die  ganze  Pflanze  bis  zu  den  Spitzen  der
Blätter,  insbesonders  aber  sehr  deutlich  in  dem  Zwiebelstocke,  wo
er  genau  den  Verlauf  der  Gefässbündel  bezeichnet  und  sich  auch  in
den  übrigen  Pflanzentheilen  eben  so  scharf  an  die  Begrenzung  der
Gefässbündel  hält.  Weder  der  Saft  der  rothen  Rübe  noch  jener  der
Ligusterheeren  haben  einen  ähnlichen  Erfolg  gegeben.
Später  wendete  ich  zu  gleichem  Zwecke  und  auf  ganz  ähnliche
Weise  den  dunkelrothen  Saft  der  Beeren  des  Hollunders  (Sambuccus
  nigra)  an.  Da  hierauf  in  der  That  eine  Färbung  eintrat,  dieselbe ­
  aber  von  der  Wirkung  des  Kermesbeersaftes  zum  Theile  ab-M
  ich,  so  erlaube  ich  mir,  dieselbe  etwas  näher  zu  beschreiben.
            
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