Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

H  a  i  d  i  n  g  e  r.

i  10
wie  er  oben  stellt,  und  wie  er  nun  auch  Hrn.  Dr.  Ragsky  in  unserem
chemischen  Laboratorio  deutliche  Krystalle  lieferte.  Ich  verglich
seitdem  auch  Dr.  Herapath’s  Abhandlungen.
Vor  der  dichroskopischen  Loupe  sah  ich  nun  den  Dichroismus,
aber  für  genauere  Untersuchung  waren  die  Krystalle  doch  gar  zu
klein.  Als  ich  aber  die  Herapathit-Krystalle  auf  den  Tisch  des  Mikroskopes
  bei  neunzigfacher  Vergrösserung  brachte,  wurde  Alles  auf
einen  Blick  klar.  Die  verschiedentlich  untereinanderliegenden  blassolivengrtinen,
  blassrothen,  tiefblutrothen,  schwarzen  Farbentöne
fanden  sich  wahrnehmbar  als  das,  was  sie  wirklich  sind,  sowohl  im
gewöhnlichen  Lichte  als  im  polarisirten,  das  hei  einem  zusammengesetzten ­
  Mikroskope  wohl  sehr  leicht  dadurch  hervorgebracht  wird,
dass  man  einfach  ein  Doppelspathrhomhoeder  auf  das  Ocular  legt.
Man  hat  dann  die  zwei  Bilder  entgegengesetzt  polarisirt  neben  einander, ­
  wie  bei  der  dichroskopischen  Loupe.  Um  vollkommen  glatte
Doppelspathllächen  zu  haben,  klebt  man  Stückchen  Spiegelglas  auf
das  Rhomboeder,  um  die  hei  der  Weichheit  des  Doppelspathes  so  bald
beschädigte  Politur  vollständig  herzustellen.
Nun  unterschied  man  deutlich  jeden  einzelnen  Krystall,  sah  wie
einige  derselben  an  verschiedenen  Stellen  ungleich  dick  waren,  wie
das  Bild  in  der  Richtung,  in  welcher  das  Licht  mehr  absorbirt  ist,  für
die  dickeren  Stellen  allerdings  ganz  schwarz  war,  „schwarz  wie  die
Mitternacht”  sagt  Herapath,  „seihst  wenn  die  Dicke  der  Krystalle
nicht  i/ B00  eines  Zolles  beträgt.’’  Allein  man  sah  auch,  dass  dünnere
Stellen  eines  und  desselben  Krystalles  „dunkelblutroth"  waren,  dass
also  das  „Schwarz”  selbst  nur  darum  diesen  Abgang  aller  Farbe
zeigt,  weil  auch  das  letzte  Roth  von  dem  dicken  Krystall  absorbirt
ist.  Für  die  Wirkung  an  der  Oberfläche  muss  daher  die  Körperfarbe
immer  als  Roth  betrachtet  werden,  und  als  solches  ist  das  von  Hrn.
Prof.  Stokes  beobachtete  senkrecht  auf  die  Axe  polarisirte  metallische ­
  Grün  die  wahre  Complementsfarbe.  Die  Krystalle  der  Jod-Chinin-Verbindung
  bilden  also  eine  neue  Bestätigung  für  die  Giltigkeit ­
  des  Satzes,  für  welchen  die  früher  verzeichneten  Fälle  sprachen,
dass  die  Oberflächenfarbe  der  Körperfarbe  als  Complement  angehört.
Nicht  leicht  kann  man  in  Bezug  auf  Körperfarben  zwei  Species
von  Krystallen  haben,  die  einander  ähnlicher  wären  als  der  hier  in
Rede  stehende  Herapathit  und  der  durchsichtige  brasilianische
Andalusit.  Dasselbe  blasse  unscheinbare  Olivengrün  polarisirt  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.