108
H a i d i n g e r.
Da man nun eigentlich zur vollkommenen scharfen wörtlichen
Bezeichnung der in Rede stehenden Krystalle der neuen Jod-Chinin-Verbindung
sich eines ziemlich zusammengesetzten Ausdruckes bedienen
müsste, so schlage ich als Abkürzung, als Erleichterung im
Gebrauche den Namen Herapathit Yor, zur Erinnerung an den
Entdecker, der sie auch zuerst optisch beschrieb. Ich befolge darin
den Grundsatz der specifischen Nomenclatur, der langsam
aber gewiss unwiderstehlich sich erweitern und befestigen wird. In
dem gegenwärtigen Falle wird ein einfacher, specifischer, und
gerade dieser Name durch den Umstand noch wünschenswerter,
dass es Herrn Dr. Herapath gelungen ist, Krystallhlättchen des
neuen Körpers als „künstlichen Turmalin” zwischen dem Auge und
dem Ocular eines Mikroskopes zu verwenden, eine Anwendung, die
gewiss eine wahre Bereicherung des optischen Apparates genannt
werden muss.
In optischer Beziehung waren es, wenn auch der metallisch
grünen Oberflächenfarbe, ähnlich den Canthariden-Flügeldecken,
oder dem Murexid, Erwähnung geschieht, doch vorzüglich die Erscheinungen
des Dichroismus bei durchfallendem Lichte, oder die
verschiedene Absorption nach zwei senkrecht auf einander stehenden
Richtungen, welche in den vier- oder sechsseitigen Blättchen untersucht
wurden. Als Ergehniss folgt:
1. Die Körperfarbe. Im gewöhnlichen Lichte blass olivengrün,
in ganz dünnen Blättchen, bis zu '/ b00 von einem Zoll, farblos.
Im polarisirten Lichte, wenn das Licht in der Längenrichtung
der Krystalle polarisirt ist, durchsichtig und vollkommen
farblos, wenigstens bei ganz dünnen Krystallen; wenn das Licht
in der Querrichtung der Krystalle polarisirt ist, undurchsichtig
und schwarz, die Blättchen mögen noch so dünn sein.
Ein erhöhetes Interesse gewannen die Krystalle noch durch die
darauffolgenden optischen Untersuchungen der metallischen Oberflächenfarben,
welche Herr Prof. Stokes auf der Versammlung
der britischen Naturforscher in Belfast im September 1852 bekannt
machte. Einen Bericht über die Mittheilung enthielt Herrn Abbe
Moigno's Cosinos *).
1) Nr. 24 für 10. Oct. I, 574.