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Full text : Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften Sitzungsberichte der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 10. Band, (Jahrgang 1853)

J  00

Ilaiclinger.  Eine  Bemerkung  über  die

„mau  es  hier  mit  keiner  Pseudomorphos  e  ,  sondern  mit  einer
„Paramorphose  zu  thun  habe.”  Diese  Paramorphosen  stehen  aber
niclit  den  Pseudomorphosen  entgegen,  sondern  müssen  zu  den
letzteren  gezählt  werden.  Gewiss  will  ich  Niemanden  das  Recht  bestreiten ­
  ,  neue  Ausdrücke  für  längst  mit  Namen  versehene  Begriffe
vorzuschlagen,  aber  eben  dieses  Recht  bleibt  auch  für  diejenigen
übrig,  welche  mit  der  Neuerung  nicht  übereinstimmen,  besonders
wenn  diese  wie  es  hier  sich  findet,  ganz  geeignet  ist,  BegrilTe  mit
einander  zu  vermengen,  die  man  sorgfältig  gesondert  halten  sollte.
Es  sind  dies  die  beiden  Fälle  des  Erscheinens:
1.  Der  Dimorphie,  der  Krystallisation  einer  und  derselben
chemischen  Materie  in  zwei  von  einander  nicht  ableitbaren  Formen,
mit  Eigenschaften  der  Masse,  welche  keinen  Übergang  aus  dem
einen  Zustande  in  den  andern  gestatten,  oder  mit  einem  Worte  als
Individuen  von  zwei  verschiedenen  naturhistorischen  Species.
2.  Der  Pseudomorph  ose,  der  Bildung  von  Individuen
Einer  Species,  innerhalb  des  Raumes,  der  früher  von  einem  andern
Individuum  eingenommen  war,  denn  nur  darin  besteht  ja  am  Ende
das  Wesen  einer  Pseudomorphose.  Jede  Pseudomorphose  ist  ein
Körper,  der  die  Gestalt  Eines  Individuums  zeigt,  dessen  Masse  aber
durch  einen  natürlichen  Vorgang  durch  andere  Individuen  mehr  oder
weniger  vollständig  ersetzt  ist.  Form,  Masse  und  Materie  bilden ­
  erst  das  Individuum.  Wenn  daher  ein  Körper  die  Form  von
Aragon  besitzt,  im  Innern  aber  eine  körnige  Zusammensetzung  von
Kalkspathindividuen  zeigt,  so  ist  dies  doch  ganz  gewiss  eine  Pseudomorphose. ­
  Es  ist  nicht  ein  Körper  von  der  Form  des  Aragons,  der
von  der  Materie  CaO  C0 2 ,  von  kohlensaurem  Kalk  erfüllt  ist,
sondern  er  ist  von  derjenigen  Masse  in  bereits  gebildeten  Individuen
erfüllt,  welche  wirklich  Kalkspath  ist,  die  gleiche  Materie,  aber  mit
anderer  Form  und  ganz  andern  übrigen  Eigenschaften,  physikalischen
Eigenschaften  oder  Eigenschaften  der  Masse.
Der  Ausdruck  Paramorphose,  welchen  Herr  Professor
Schee  rer  vorschlägt,  wird  also  von  ihm  in  der  That  gänzlich
synonym  mit  den  Ausdrücken  dimorph,  allomorph,  heteromorph,
isomerisch  u.  s.  w.  angewendet,  oh  man  ihn  dafür  im  Laufe  der  Zeit
allgemein  annehmen  wird,  möge  der  Zukunft  überlassen  bleiben.  Das
Verhältniss  der  Dimorphie  ist  wirklich  verschieden  von  dem  der
Pseudomorphose.  Die  Gegenstände  aber,  welchen  jener  Ausdruck
            
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