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Full text : Almanach Jahrgang 100.1950

448 Österr. Kulturwoche 1950: Festsitzung der Akad.

haben. Aber realistisch und nüchtern betrachtet, liegt der
Fall so, daß jene hauchdünne Schicht von Intellektuellen,
die zeitweise unter einem solchen Einfluß stand, sich
vielleicht einbildete, der Repräsentant der betreffenden
Generation zu sein, in Wirklichkeit aber doch eine vom
übrigen Volkskörper mehr oder minder isolierte und daher
 praktisch ohnmächtige und einflußlose Klasse blieb.
— Nebenbei bemerkt, meine ich, daß  und  sich
energisch dagegen verwahren würden, als geistige Väter
unserer Welt in ihrem heutigen Zustand angesehen zu werden!
 — Die großen Völkerschicksale, die Lebensweise der
überwiegenden Bevölkerungsmehrheit, all dies wird von
Faktoren gesteuert, die von den Werken unserer großen
Dichter und Denker kaum überhaupt und von denen der
großen Naturforscher nur indirekt auf dem Wege über
die Technik beeinflußt werden.

Der äußere Kontrast unserer Kultur.
Eine Folge dieser Tatsache ist die charakteristische
Ungleichmäßigkeit in der geistigen Reife der verschiedenen
 Zweige unserer Kultur. Auf der einen Seite die
mit dem ganzen Raffinement menschlichen Denkvermögens
 operierende, SOozusagen mit allen Salben geschmierte
 Naturwissenschaft und Technik, die es in der
Beherrschung der unbelebten Natur schon zu einer
wahren Virtuosität gebracht hat. Und auf der anderen
Seite die zu tragischen Verwicklungen führende Primitivität
 und Rückständigkeit, das Barbarentum in den Beziehungen
 der Menschen untereinander, in den Beziehungen
 zwischen Einzelmensch und Kollektiv und zwischen
den Kollektiven, den Nationen und Klassen untereinander.
Dieser schroffe Kontrast wird schlagend zum Ausdruck
            
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