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Full text : Almanach Jahrgang 100.1950

Vortrag  

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sicht darf heute als aufgegeben betrachtet werden. Auch
der primitive Mensch dachte durchaus rational, wenn er
z. B. einen Stein zum Werkzeug formte und überhaupt Soweit
 er die Dinge hantierend bewältigte. Erst dort, wo er
die Dinge, zumal die belebten, nicht durch solches Hantieren
 bewältigte oder wo die Geschehnisse seinem Hantieren
 überhaupt entrückt sind, wie die Himmelserscheinungen,
 oder wo er sich einer unerklärlichen Krankheit
 gegenüber sah oder wo er übersinnliche Wesen als
wirkend glaubte, setzt der Mythos als Deutung ein und
die Magie als das Streben, durch irrationale Praktiken
(im Gegensatz zu den rationalen Hantierungen in der
Werkzeugherstellung oder in der Wundheilung) die „geheimen“
 Kräfte der Dinge oder der übersinnlichen Wesen
sich dienstbar zu machen oder von sich fernzuhalten. Insbesondere
 die ersten Versuche, sich ein Bild von der Entstehung
 der Welt, von den Himmelserscheinungen, von
dem Wirken dämonischer oder göttlicher Mächte zu
machen, werden ganz in die Form des Mythos gekleidet.
Dabei bilden die Arten des Hantierens mit den Dingen
und des Umgangs mit Menschen die immer wiederkehrenden
 Schemata mythischer Phantasie und Deutung: der
Mensch als Handwerker und Künstler (die Erbauung der
Welt und die Formung der Geschöpfe aus irgendwelchem
Stoffe), die Paarung (Göttergenealogien), die Jagd, wobei
das übersinnliche Wesen bald der Verfolger (wie 
der den die Wolkenkühe bewachenden Drachen tötet und
so den Regen bringt), bald das Verfolgte ist (wie der
 der von einem Ungeheuer verschlungen und daher
als Neumond unsichtbar wird), der Krieg (so die Kämpfe
von Göttergeschlechtern, wie der  Götter mit
den Giganten, der Asen mit den Riesen). Erst wenn der
            
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