424 Österr. Kulturwoche 1950: Festsitzung der Akad.
einer bestimmten Menschengruppe vollzogen und getragen,
eine historische Kulturtotalität. Aber diese Summe
schlechtweg ist noch nicht ein Ganzes; ein solches liegt
für uns erst vor, wenn wir es als ein gegliedertes überschauen
und den Sinn dieser Gliederung begreifen. Vollends
die Beantwortung einer Frage, wie die nach der
Stellung eines bestimmten Kulturgebietes, in unserem
Falle der Wissenschaft, innerhalb des Ganzen der Kultur,
kann nur beantwortet werden, wenn Ort und Funktion
dieses Gebietes innerhalb jenes Ganzen bestimmt werden.
Aus der methodischen Praxis der mit der Beschreibung
historischer Kulturtotalitäten befaßten Wissenschaften,
wie der Geschichte, der Prähistorie, der Völkerkunde, hat
sich eine Gliederung in die drei Zonen der Wirtschafts-,
der Sozial- und der geistigen Kultur herausgebildet, wobei
auch in der Aufteilung der einzelnen Kulturgebiete auf
diese drei Zonen ziemlich weitgehende Übereinstimmung
besteht. Aber eine solche Gliederung bleibt doch nur eine
rein empirische Katalogisierung, solange sich nicht ein
einheitlicher Gesichtspunkt für die Unterscheidung jener
drei Zonen und für die Zuteilung bestimmter Kulturgebiete
an die einzelnen Zonen aufzeigen läßt; erst dann
wird der Fortschritt von der Gliederung zur Ausgliederung
der Kultur gewonnen.
Ein solcher Gesichtspunkt läßt sich aber gerade für
jene Zonengliederung aus folgender Betrachtung aufweisen.
Was dem Menschen als handelndem Wesen gegenübertritt,
sind die seinem Hantieren erreichbaren irdischen
Dinge (irdisch im strengsten Wortsinn als ihm am
Schauplatz seines Handelns zugängliche verstanden) ein-Schließlich
der Pflanzen und Tiere einerseits und seine
Artgenossen, die Menschen seinesgleichen, anderseits. Mit