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Full text : Almanach Jahrgang 100.1950

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Die Jahressitzung 1950.

Worten haben Sie eindringlichst. das Unheil geschildert, das nicht nur
unseren Staat und sein Volk, sondern letzten Endes buchstäblich die
ganze Welt treffen werde, wenn Ihre Gegenvorschläge unbeachtet
blieben, Daß von allen Ihren eingehend begründeten Forderungen nur
ein verschwindend kleiner Bruchteil Beachtung fand, das war gewiß
nicht Ihre Schuld, Ihre Warnungen aber haben sich seither, wie heute
die ganze Welt erkennen muß, als nur allzu begründet erwiesen,
In unermüdlicher, aufopferungsvoller Tätigkeit waren Sie auch
nach Ihrem Scheiden vom Amte des Regierungschefs der ersten Republik
 als Mitglied des  Nationalrates und zuletzt als
dessen Erster Präsident tätig, um unser Volk aus dem ihm auferlegten
Elend herauszuführen zu einer besseren, hoffnungsvolleren Zukunft,
Die Ausschaltung des parlamentarischen Regimes in  und die
ihm folgende Besetzung durch das nationalsozialistische Dritte Reich
haben dieser Ihrer Tätigkeit im öffentlichen Leben ein vorläufiges, vorzeitiges
 Ende gesetzt. Durch volle zwölf Jahre blieben die einzigartigen
Kenntnisse und Erfahrungen, die Sie auf allen Gebieten des politischen
und wirtschaftlichen Lebens gesammelt hatten, ungenützt, Wie selten
einer erkannten Sie damals wohl das namenlose Unglück, das über
unser Land heraufbeschworen wurde, sahen Sie klaren Auges das unausbleibliche
 furchtbare Ende voraus, zu dem die Ereignisse drängten,
Ihre mahnende Stimme zu erheben, mußte Ihnen aber versagt bleiben.
Als aber in den Apriltagen 1945 das nationalsozialistische Regime
endgültig zusammengebrochen war, da traten Sie, vom einheitlichen
Vertrauen des gesamten  Volkes getragen, mutig und
entschlossen neuerlich an die Spitze der von Ihnen gebildeten Provisorischen
  Staatsregierung, um Ihr Volk, um Ihr Land
aus der schwersten Katastrophe aller Zeiten zu erretten. Was Sie in
den nun folgenden acht Monaten im Verein mit den Mitgliedern der
Provisorischen Staatsregierung geleistet haben, ist heute bereits für
alle Zeiten in die Geschichte unseres Landes eingegangen, In weniger
als einem halben Jahre haben Sie das, was fremder Unverstand mutwillig
 niedergerissen hatte und für alle Ewigkeit vernichtet wissen
wollte, buchstäblich aus dem Nichts heraus neuerlich wieder aufgebaut:
den  Staatsapparat von der kleinsten Gemeinde herauf
bis zu den altbewährten  Zentralstellen, Ihrer einzigartigen
 Leistung war es zu verdanken, daß sich trotz allen furchtbaren
wirtschaftlichen und sozialen Nöten der Wiederaufbau unseres Staatswesens
 in verhältnismäßig ruhigen Bahnen abspielte, und daß unserem
Volke so jene furchtbaren Erschütterungen erspart blieben, die angesichts
 der Größe des Zusammenbruchs schier unvermeidlich schienen,
Ihrer Person allein war es auch zu verdanken, daß nach sechs Monaten
hingebungsvoller Aufbauarbeit der ursprünglich nur auf ein engeres Teilgebiet
 unserer Heimat eingeschränkte Tätigkeitsbereich der Regierung
mit Zustimmung der Besatzungsmächte auf das gesamte Staatsgebiet
erstreckt und so die Einheit unseres Vaterlandes gerettet und gesichert
werden konnte, Das Ziel allerdings, um das Sie schon als Staatskanzler,
            
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