Glückwunschschreiben.
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folgen so reichen Leben um den Bestand und um das Wohl Ihrer
österreichischen Heimat und ihres so schwer geprüften Volkes erworben
haben, Sie gedenkt aber nicht minder der glanzvollen wissenschaftlichen
Leistungen, die Sie inmitten der Bewältigung Ihrer hohen und
verantwortlichen beruflichen Aufgaben im Bereiche der Gesellschaftslehre
und der politischen Wissenschaften erbracht haben,
In jungen Jahren schon haben Sie sich dem politischen Leben
zugewandt und sind im Rahmen der politischen Partei, der Sie Ihre
Lebensarbeit gewidmet und der Sie in guten und in bösen Tagen unwandelbar
die Treue bewahrt haben, bald zu einer führenden Stellung
emporgestiegen, Diese tiefe Verbundenheit hat Sie jedoch niemals
behindert, über allem das Wohl des Staatsganzen, das Wohl des gesamten
Volkes im Auge zu behalten und mit dem Einsatz Ihrer ganzen
Persönlichkeit zu verfolgen. Ihr echt demokratisches Denken und Ihr
wahrhaft wissenschaftlicher Geist waren es, die Sie auf diesem Wege
unbeirrbar geleitet und begleitet haben.
Als Abgeordneter des Reichsrates der vormaligen Monarchie sind
Sie mit wissenschaftlichen Arbeiten hervorgetreten, die die Beachtung
weitester Kreise auf sich gezogen haben, In Ihren beiden Werken
„Der Kampf der Nationen Kampf der Nationen Kampf der Nationen um den Staat‘ und „Die Nationen als
Rechtsidee‘“ haben Sie in tiefschürfender Weise die Frage untersucht,
in welcher Gestaltung innerhalb des großen österreichischen Völkerstaates
jeder Nation ihr gesicherter Lebenskreis, zugleich aber dem
gesamten Staatswesen die ihm unbedingt zu sichernde Autorität gewahrt
werden könnte, Die Umbildung des Einheitsstaates in einen
Bund freier autonomer Nationen war das Programm, mit dem Sie in
diesen Ihren Arbeiten hervorgetreten sind, Und es berührt rückschauend
wahrhaft erschütternd, daß diese Vorschläge, die anfangs ungehört verhallt
waren, am Ende des Bestandes des alten Donaureiches, in einem
Zeitpunkt, in dem es eine Rettung nicht mehr gab, als die für eine
künftige Neuordnung des Staatswesens einzig möglichen Grundlagen
anerkannt und feierlich verkündet wurden.
Als in den Herbsttagen des Jahres 1918 das große Donaureich
nach vielhundertjährigem ruhmvollem Bestand zerfiel und das kleine
deutschsprachige Restösterreich so gezwungen war, sich sein eigenes
Haus zu bestellen, sind Sie als erster Staatskanzler der neu begründeten
Republik an die Spitze der Regierung getreten und haben dieses verantwortungsvolle
Amt unter den denkbar größten Schwierigkeiten und
Mühsalen durch fast volle zwei Jahre im Dienste des österreichischen
Volkes geführt, Von der Konstituierenden Nationalversammlung hiezu
beauftragt, mußten Sie als Staatskanzler auch den bitteren Weg nach
Saint-Germain antreten, den Sie selbst als einen Gang nach Canossa
bezeichnet haben. In ungezählten dringlichen Vorstellungen haben Sie
damals an die leitenden Staatsmänner der Welt die Forderung gerichtet,
dem kleinen, schwachen Nachkriegsösterreich, das für den unheilvollen
ersten Weltkrieg in keiner Weise verantwortlich gemacht werden
konnte, Gerechtigkeit willfahren zu lassen, In wahrhaft prophetischen