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Full text : Almanach Jahrgang 100.1950

Ansprache des Ehrenmitgliedes Dr.   175

Ich weiß, noch wirkt in einem beträchtlichen Teil
unseres Volkes die Vorstellung vergangener Zeiten nach:
die Wissenschaft — das ist der weltfremde Mann in der
einsamen Studierstube, der sich müht um vertrackte Probleme
 der Philosophie, um den Lauf der Gestirne, mikroskopische
 Tier- und Pflanzenwesen, um Moleküle und
Atome —, um lauter welt- und lebensfremde Dinge, die,
so meint man, für den Mann der Praxis keinen Wert besitzen.

Aber ebenso weiß ich, daß heute die große Mehrheit
unseres Volkes aufhorcht, im täglichen Dasein von den
Staunen erregenden Schöpfungen der Wissenschaft überrascht,
 beeinflußt, ja geleitet und gefördert: der Mann-auf
der Straße benützt das Fahrzeug, das ferne Wasserkräfte
betreiben durch Energie, die ein über tausend Meilen gespannter
 Draht zuleitet.
Der Bauer fragt sich verwundert, wieso chemische
Werke seine Scholle durch Kunstdünger fruchtbarer
machen, wieso die wissenschaftliche Forschung und Züchtung
 seine Erträge steigert und oft sogar vervielfacht.
Die Massen müssen nicht mehr vor Krankheiten
zittern, die vordem als verheerende Seuchen ganze Landstriche
 entvölkert haben, sie wissen, daß die wissenschaftlichen
 Heilmethoden die Lebensdauer der Menschen um
mehr als ein Jahrzehnt verlängert haben.
Der Mann in der industriellen Arbeitsstätte weiß
Schon lange, wie sehr wissenschaftlicher, erfinderischer
Geist seine Arbeitsbürde zu erleichtern, wie wissenschaftliche
 Betriebsführung sein Arbeitsprodukt zu erhöhen im-Stande
 ist.
Und heute weiß wohl jeder, auch der eben erst der
Kindheit entwachsene Bursche, yon dem Atom, das man
            
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