111. Preisaufgaben.
4, PREISAUFGABE.
Der Sieg K. Rudolph’s I. über Ottokar Il. ist ohne
Zweifel die folgenreichste Begebenheit in Deutschland im
Laufe des dreizehnten Jahrhunderts. Die Erneuerung und
Wiederherstellung der kaiserlichen Macht in Deutschland,
die Schöpfung einer bedeutenden Hausmacht für ein echt
deutsches neues Regenten-Geschlecht, gibt der deutschen Geschichte
eine neue Richtung. Zur genauerenund kritischen
Erkenntniss aber der früher bestandenen Verhältnisse in
den Landen, worauf sich diese neue Hausmacht gründet,
ist noch so manche Forschung nöthig. Die Stellung Oesterreichs
gegen das römisch-deutsche Kaiserreich ist eine
ganz eigenthümliche; in Oesterreich wurde die landesfürstliche
Hoheit wohl am frühesten ausgebildet; in Oesterreich
aber hatten nicht wenige unabhängige Reichsfürsten
bedeutende Güter, die Stellung ihrer Gebiete gegen den
Landesfürsten war fortwährende Veranlassung zu Reibungen
und politischer Parteiung. Eine Erörterung dieser Verhältnisse
gehört zu den schwierigsten Aufgaben, da die
vorhandenen geschichtlichen Quellen einer kritischen
Sichtung und einer unparteiischen Prüfung bedürftig
sind.
Die kaiserl. Akademie verlangt somit als vierte historische
Aufgabe:
„Einekritische Beleuchtung des politischen und staats-„rechtlichen
Verhältnisses Oesterreichs, Steiermarks,
„Kärnthens, Krains, Istriens zu Kaiser und Reich in dem
„Zeitraume von Kaiser Karl dem Grossen bis zur Wahl
„K, Rudolphs I., mit sieter Berücksichtigung des Verhält-„nisses
von Ungarn gegen das deutsche Reich.” -
„Der Einlieferungs-Termin an die kaiserl. Akademie
„ist vorläufig der letzte December 1855 ; der Preis, Ein-