II. Preisaufgaben.
ren bis zur jüngsten Zeit erschienen sind. Der Stifter eines
Hauses, das Deutschland sechzehn seiner Könige und Kaiser
gab, verdient es aber wohl, dass seine Geschichte
nicht bloss durch gründliche Forschung beleuchtet, sondern
sein Streben und Wirken auch allgemein gewürdigt
und dem deutschen Volke in ansprechender Darstellung
vorgeführt werde,
Da die kaiserl. Akademie der Wissenschaften es nicht
verkennt, dass eine solche würdige, durch und durch wahre
Geschichte König Rudolph’s erst noch durch so manche
kritische und mühsame Vorarbeiten gleichsam möglich gemacht
werden soll, hat sie geglaubt, der vaterländischen
Geschichte durch Aufstellung eines Cyclus von Preisaufgaben
ein Werk verschaffen zu können, das der deutschen
Literatur zur Zierde gereicht.
Die Zeit des dreizehnten Jahrhunderts ist für Deutsch-Jand
eine der folgenreichsten. Leider ward das römischdeutsche
Kaiserthum um die Hälfte dieses Jahrhunderts im
verhängnissvollen Kampfe mit der päpstlichen Macht gebrochen,
und seine Wiederherstellung gelang nur zum
Theile. Deutschland ward ein Wahlreich und dadurch
die Kraft des Oberhauptes gelähmt, die kaiserliche Macht
zerstückt. Die Wahlfürsten erhobensich, wie die erstere
sank. Diese Zeit verdient nun das gründlichste Studium,
die unbefangenste Darstellung eben so sehr, als sie derselben
bedarf.
Um König Rudolph’s Stellung begreifen, seine Wirksamkeit
unparteiisch würdigen zu können, muss die nächst
vorhergegangene beklagenswerthe Zeit gründlich heleuchtet
werden.
Die deutsche Geschichtsforschung , die seit Deutschlands
politischer Wiedergeburt einen so glänzenden Auf-