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Full text : Der Tourist auf der Südbahn von Wien bis Triest

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reichen wir einen zweiten Bauernhof, zum Pleßnigg ge—
heißen. Unwillkürlich werden wir uns einen Augenblick ge⸗
fesselt fühlen durch den Anblick des großartigen Fels-Amphi⸗
theaters, welches hier aus dem grüncu Thalboden, üuüber die
Wälder der Vorberge seine Wande aufthürmt in die blaue
Luft. In unsern gesammten Alpengebieten hat dieser Felsen⸗
kessel an Großartigkeit und Erhabenheit nicht seines Gleichen.
Dieses Urtheil fällte auch der berühmte Geognost Boné,
welcher erklärte, Aehnliches sei nur in den Pyrenaen zu finden,
deren großartige Felsenpartien namentlich ein— ihrer Eigenheiten
ist. Er nennt den Kessel hier das Seitenstück zu dem Thale
von Gavarni in den Pyrenaäen und ich fand diesen Vergleich
voöllig gerechtfertigt. — Ich kenne auch noch einen zweiten
Winkel der Pyrenäen, an welchen das hiesige Felsenamphi—
theater auf noch frappantere Weise erinnert, wie Alle zugeben
werden, welche beide Punkte kennen. Dies ist die Oule de
Heas (Kessel von Heas) von dem Plateau des Troumousse;
dieser Standpunkt in den Pyrenäen „und jener hier auf der
Okreshel, von welcher sogleich die Rede sein wird, bieten
wirklich überraschende Aehnlichkeiten. (Meine Schilderung und
Ansichten der Phrenäen habe ich in den Aufsätzen: Memo—
rabitien aus meiner Reisetasche im „Wanderer“ mit—
getheilt). Rückwärts des Pleßnigg-Hofes lenken wir nun in
den Hochwald ein, in dessen küblendem Schatten wir theils
auf einer Holzriesen, theils auf steilem, steinigem Steige gegen
2 Stunden lang aufwärts steigen; aus ihm hervorgetreten
haben wir noch Line starke 1/ Stunde über einen kahlen, mit
Felsblöcken befäeten Hang zu steigen, und stehen endlich an
dem letzten Ziele unserer Wanderung der Bergwand Okrechei
(Rundung). Ueber dieselbe stürzt ein, noch“ höher oben an
den Schneefeldern der Rinka entspringendes Baͤchlein in einer
schönen Kaskade über 80 hoch herab, sammelt sich in einem
durch den Sturz ausgehoͤhlten natuͤrlichen Steinbecken, und
rauscht dann noch eine Strecke weiter zwischen den Felsblöcken
des Hanges, bis es sich im Geroͤlle gänzlich verliert, einge—
saugt von Kalkklüften, welche sich hier, wie am Karst häufig
finden. In derselben Richiung bricht es dann unten naͤchs—
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