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Full text : Der Tourist auf der Südbahn von Wien bis Triest

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on Gratwein entfernt. Gratwein ist ein Markt von bei⸗
nahe 100 Häusern und über 600 Einwohnern; Pfarrkirche zu
St. Ruprecht; Naͤgel- und Hakensabrik. Von Gratwein
wandelt man, in sehr freundlicher Gegend, längs eines ra—
schen Bächleins, in /2 Stunde nach Rein. Juñ dieser Ge⸗—
gend hauseten im Mittelalter die maͤchtigen Grafen von Ruen.
Rach dem Aussterben dieser Dynastenfamilie ging ihr Besitzthum
 an die Landesfürsten über (1120) mit der Bedingung,
auf dem Platze, wo das Schloß gestaͤnden, ein Kloster zu
erbauen. Zu jener Zeit waren die Traungauischen Grafen
Beherrscher der Steyermark, und Markgraf Leopold J. ge⸗
nannt der Starke, begann im Jahre 1128 den Bau des Ci⸗—
stercieuserstiftes Rein“ Er führte am 23. März 1129 den
ersten Abt Grafen Gerlach von Dunkelstein mit 12 Moͤnchen
aus dem  Kloster Eberach hier ein. Der Bau
des Stiftes ward indessen erst unter Leopolds Nachfolger
Ottokar V. 1138 vollendet. Die Stiftskirche, eine der groͤß⸗
ten und schönsten des Landes, ward in ihrer jetzigen Gestalt
von Abt Placidus Mailly 1740 — 1748 erbauͤt, aber erst
unter seinem Nachfolger Marian Pittreich gänzlich vollendet,
und 1747 zu Ehren des heiligen Joseph geweiht. Im Jahre
1766 schmückte sie der achtbare Künstler Ritter don Moͤlf
mit den schönen Fresken. Das Hochaltarblatt ist eines der
vorzüglichsten Werke des wackern Kremser-Schmidts. Außer—
dem zeigen die 40 Seitenaltäre der Kirche noch einige gute
Gemaͤlde. In der Kirchengruft ruht der Stifter Markgraf
Leopold und seine Gemablin Sophie von Bayern und in
der Kapelle rechts vom Hochaltare in einem großen Sarko—
phage von rothem Marmor, Herzog Ernst von Habsburg,
genannt der Eiserne, f in Bruck 1423. Auf dem Grabdeckel
ist seine Bildsäule in Stein gehauen zu sehen. Seit 1827
fand auch die Asche des Stifters der Karthause Seiz, Mark⸗
graf Ottokar's V. seines Sohnes Ottokar's VI., des letzten
Traungauers, und der Gemahlin Ottokar's V., Kunigunde
von Vohburg, hier ihre Ruhestätte. Sie wurde aus der Ruine
jener alten Karthause hieher übersetzt. Das Altarblatt dieser
Kapelle ist von dem Grätzer Maler Hauk. Noch sind in der
            
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