107
nen Posten antrat, war das Thal noch eine nur selten be⸗
tretene Wildniß; keine Straße zog durch dasselbe. Die Art
der Holzknechte war im Naßwalde noch nicht erklungen. Von
Bären, Wölfen, Luchsen und Geiern war er bevoölkert, und
Singer, der rüstigste Alpensteiger, der kühnste Jäger, der
trefflichste Schütze, führte unter manchen Abenteuern den
Vertilgungskrieg mit den Raubthieren der Wildniß. Die
Gestalt dieses wackern Aelplers, sowie jene des greisen
Schwemmmeisters Huebmer, von welchem später die Rede sein
wird, wird den aäͤltern Besuchern dieser Thäler unvergeßlich
bleiben. Singer fand auch seinen Tod durch ein Jagdaben—
teuer. Ein von ihm an seinem Hause tödtlich getroffener
Hirsch, welchem er sich unvorsichtig näherte, ehe derselbe noch
ganz verendete, warf sich mit ihm über die kleine Felswand
am Jaägerhause herab. Z3war war der Sturz nicht augen⸗
blicklich tödtlich, aber Singer siechte dahin und starb nach
wenigen Wochen plotzlich
Wir setzen nun unsern Weg nach Guttenstein fort. Wir
erreichen bald die Foisbrücke, nächst welcher sich der Weg
scheidet. Eine in neuester Zeit gut hergestellte Straße führt
links ab (westlich) nach Schwarzau, während die Straße
nach Guttenstein nördlich fortzieht. Die Gegend hier heißt
nun nicht mehr Höͤllenthal, sondern Foisthal. So erreichen
wir das Gehoͤft des Eckbauers, insgemein Höhbauer ge⸗
nannt. Es ist zur Bewirthung und Unterkunft der Reisenden
eingerichtet und auch ein Sammelplatz für alle Kohlenbauern,
Bretterhaͤndler u. s. w. in dem Verkehr der Gegend. Auch
wird von hier der Schneeberg häufig erstiegen. Der Bauer
Eck, der Eigner des Gehöftes, ist auch Besitzer der Alpen⸗
hütten am Kuhschneeberg, wie der nordwestliche Auslauf
des mächtigen Berggebildes heißt, welcher sich gerade gegen—
über dem Gehöfte in das Thal senkt. Eck hat auch den
Weg auf den Berg bahnen lassen, und oben, in der Nähe
seiner Alpen, ein Haus, ähnlich jenem Baumgartners, auf
der entgegengesetzten Seite des Schneeberges erbauen lassen.
Man tritt den Weg auf den Berg gerade dem Höhbauer⸗
gehöfte gegenüber, bei einer Köhlerei vorüber in den Wald